Thor in der nordischen Mythologie: Der Gott des Donners
Thor ist der nordische Gott des Donners, der Stürme und der Stärke: Sohn Odins und der Erdgöttin Jörð, Träger des Hammers Mjölnir und Beschützer von Göttern und Menschen gegen die Riesen. Kein Gott der Wikingerzeit ist besser belegt als er, und die vergleichende Sprachwissenschaft führt seinen Typus rund sechstausend Jahre zurück, bis zu einem rekonstruierten indogermanischen Donnergott namens Perkwunos.
Von allen Göttern des nordischen Pantheons war Thor vermutlich der einflussreichste. Sein Vater Odin steht in der Ordnung der Götter zwar höher, doch Thor stand den Menschen im alten Skandinavien auf eine sehr persönliche Weise nahe.
Falls du Thor noch nicht kennst, bist du hier genau richtig. Dieser Artikel erzählt die ganze Geschichte: wer Thor in der nordischen Mythologie ist, seine Familie, seine Ziegenböcke und seine drei großen Schätze, wie Mjölnir wirklich geschmiedet wurde, sein Tod in Ragnarök und die lange Vorgeschichte hinter ihm. Auch wenn du Thors Hammer bisher nur aus dem Marvel-Universum kennst, bist du hier gut aufgehoben.
Wir holen weit aus und schauen uns die Politik, die Kulturen und die Mythologien an, die Thor durch die letzten rund sechstausend Jahre getragen haben. Wenn du nur wissen willst, wer Thor in der nordischen Mythologie ist, spring direkt zum Abschnitt „Wer ist Thor in der nordischen Mythologie?“
Hinter dem Superhelden, den wir heute auf der Kinoleinwand sehen, stehen Jahrtausende Geschichte. Also: Hämmer hoch und Blick zum Himmel, denn jetzt geht es um die Geschichte des Himmelsgottes Thor.
Thors kulturgeschichtliche Herkunft
Wer Thors Bedeutung wirklich verstehen will, sollte sich seinen historischen Hintergrund ansehen. Je genauer man die indogermanische Geschichte betrachtet, desto früher taucht Thor auf. Wir schauen uns die kulturellen und politischen Wurzeln der nordischen Mythologie an und sehen, wie die zusammenfließenden Mythologien des alten Europas zum nordischen Pantheon verschmolzen sein könnten.
Gehen wir also Schritt für Schritt durch die europäische und voreuropäische Geschichte zurück und werfen dabei jeweils einen Blick auf die passenden Mythologien. Wichtig sind dabei auch die politischen Faktoren, die Wanderungen und kulturellen Wandel ausgelöst haben.
Die folgenden Abschnitte drehen sich nicht ausschließlich um Thor. Sie führen uns vielmehr so zu seinen Ursprüngen, dass wir sehen, wie weit er reicht und wie beständig er sich durch die Zeit gehalten hat.

Die nordische Mythologie in der Wikingerzeit
Die nordische Mythologie umfasst die vorherrschenden Glaubensvorstellungen der vorchristlichen Skandinavier und der Nordgermanen. Sie ist eine Weiterentwicklung des Heidentums der germanischen Völker der Eisenzeit. Die skandinavische Eisenzeit reichte ungefähr vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zum Beginn der Wikingerzeit am Ende des 8. Jahrhunderts n. Chr.
Den Beginn der Wikingerzeit markieren die ersten überlieferten Überfälle auf die Küsten christlicher Länder im Westen, etwa der Angriff auf das Kloster Lindisfarne im Jahr 793. Skandinavier besiedelten viele kleine Landstücke und nutzten sie als Ackerland und als strategische Handelsplätze. In dieser Zeit breiteten sie sich über ganz Europa aus.
Gesegelt und gekämpft hatten Skandinavier rund um die Ostsee schon vorher: Die Schiffsgräber von Salme in Estland stammen aus der Mitte des 8. Jahrhunderts. Was die Wikingerzeit ausmacht, sind ausgedehnte und erfolgreiche Raubzüge nach Westen. Üblicherweise wird sie von den 790er-Jahren bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts datiert.
Der so gewonnene Reichtum ließ die Wikinger aufblühen und ihre Religion ohne nennenswerte Verfolgung ausüben. Das sollte sich allerdings bald ändern.
Christianisierung
Im 11. Jahrhundert begannen die europäischen Gemeinschaften, sich zu organisieren und sich besser gegen die Seeräuber aus dem Norden zu verteidigen. Hinzu kam, dass sich die Skandinavier mit anderen europäischen Gruppen vermischt hatten und das Christentum in die nordische Kultur vordrang. Beides trug zum Ende der Wikingerzeit bei.
Diese Epoche ist der Höhepunkt von Verbreitung und Bedeutung der nordischen Mythologie, und aus ihr stammen die meisten zeitgenössischen Zeugnisse wie Runensteine, Amulette und Skaldengedichte; die ausführlichen Göttergeschichten wurden allerdings erst im 13. Jahrhundert auf Island aufgeschrieben. Die Religion bestand schon Jahrhunderte vorher, doch erst die skandinavische Expansion trug sie weit hinaus. Die Forschung spricht von „altnordischer Religion“ oder „nordischem Heidentum“; das sind moderne Bezeichnungen, keine Namen, die ihre Anhänger selbst benutzten.
Der Donnergott selbst ist weit älter als die Wikingerzeit. Schon römische Autoren beschreiben, wie germanische Völker ihm unter einem römischen Namen opferten. Eine Runeninschrift auf der Bügelfibel von Nordendorf aus Bayern, um 600 entstanden, wird oft so gelesen, dass sie ihn als Donar nennt (die Lesung ist umstritten), und im altsächsischen Taufgelöbnis müssen die Täuflinge Thunaer, Woden und Saxnot abschwören. Je weiter wir in der Zeit zurückgehen, desto deutlicher wird, dass Götter wie Thor in vielen verwandten Mythologien eine wichtige Stellung hatten, auch wenn die Menschen sie mit anderen Namen riefen.
Die Verbreitung der germanischen Völker

In der Völkerwanderungszeit, ungefähr von 375 bis 568 n. Chr., brach das Weströmische Reich zusammen (sein letzter Kaiser wurde 476 abgesetzt), und die Völker Europas ordneten sich neu. Diese Umwälzung spielte eine wichtige Rolle für die Ausbreitung des germanischen Heidentums. Rom beherrschte den größten Teil West- und Südeuropas, Skandinavien allerdings nie, und sein Zusammenbruch erlaubte ganzen Völkern, weiterzuziehen, sich zu organisieren und dem Europa, wie wir es heute kennen, seine Gestalt zu geben.
Ein großer Teil dieser Bevölkerung waren die Menschen, die wir heute „germanische Völker“ nennen. Sie lebten in der Antike in Mitteleuropa und in Skandinavien. Wichtig ist: Die „Germanen“ hatten nicht unbedingt eine gemeinsame Nationalität oder Identität. Womöglich sahen sie sich selbst gar nicht als Teil einer einheitlichen Gruppe.
Was sie verbindet, ist zum einen die geografische Nähe, zum anderen die Sprache. Sie sprachen germanische Dialekte, die auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen, das Urgermanische. Niemand hat das Urgermanische aufgeschrieben, doch die Sprachwissenschaft rekonstruiert es, indem sie seine Tochtersprachen vergleicht, und die ältesten Runeninschriften aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stehen ihm bereits sehr nahe.
Auch wenn sie also alle ein wenig anders klangen, konnten sie sich oft gegenseitig verstehen. Aus diesen Dialekten gehen alle heutigen germanischen Sprachen hervor, darunter Englisch, Deutsch, Niederländisch, Norwegisch, Schwedisch, Dänisch und Isländisch.
Germanische Gruppen kämpften jahrhundertelang gegen die römische Herrschaft und hatten großen Anteil am Untergang des Westreichs.
Lange bevor sich die germanischen Völker mit den Römern schlugen, erschufen kleinere Gruppen ihrer frühen Vorfahren bereits ihre eigenen Versionen der Götter.
Die Urindogermanen: Vorfahren der germanischen Völker

Die Urindogermanen sind ein rekonstruiertes Volk. Sie hinterließen keine Schrift, also kennen wir sie nur über ihre Sprache, die die Sprachwissenschaft durch den Vergleich ihrer Nachfahren wiederherstellt. Die meisten Forscher bringen sie mit Hirtenkulturen der Steppe in Verbindung, etwa mit der Jamnaja-Kultur.
Meist werden sie auf die Zeit zwischen etwa 4500 und 2500 v. Chr. datiert. Ihre Heimat lag sehr wahrscheinlich in der heutigen Ukraine und in Südrussland, und ihre Sprachen breiteten sich nach Europa, Iran, Zentralasien und Indien aus.
Die Urindogermanen lebten vor oder ganz am Anfang der echten Schrift, die kurz vor 3000 v. Chr. zuerst in Mesopotamien und Ägypten auftauchte. Echte Schrift unterscheidet sich von der Protoschrift, die mit Bildern und Zeichen arbeitet, aber keine vollständige Sprache wiedergibt.
Schriftliche Zeugnisse ihres Glaubens gibt es also nicht. Es gibt aber Wege, trotzdem einen Einblick in ihre Mythologien zu gewinnen.
Uralte Gemeinsamkeiten finden
Sprachwissenschaftler und Historiker haben aus den Ähnlichkeiten der späteren indogermanischen Sprachen eine ganze Reihe von Erkenntnissen gewonnen. Die Überlegung dahinter: Kulturelle Einzelheiten, die alle direkten Nachfahren der Urindogermanen teilen, müssen aus der ursprünglichen Sprache stammen.
Dasselbe gilt für die Überlieferungen, die auf die ursprüngliche Kultur folgten. Indem sie sprachliche und kulturelle Hinweise zusammensetzten, konnten Forscher eine grobe Skizze des urindogermanischen Götterhimmels entwerfen.
Die urindogermanische Mythologie
Die Rekonstruktionen der urindogermanischen Mythologie deuten auf einen Gott des Taghimmels (Dyēus) und eine Erdmutter hin, die als Kinder weitere Gottheiten hervorbringen.
Dazu gehören eine Tochter, die Göttin der Morgenröte, und göttliche Zwillingssöhne. Hinzu kommen eine Sonnengöttin und einige weitere gesicherte Gestalten, die zu diesem Pantheon gehören.
Übrigens ist Dyēus mit dem lateinischen deus, „Gott“, und dies, „Tag“, verwandt, denn Dyēus war der Gott des hellen Taghimmels. Auch die Namen Zeus und Jupiter (von Dyēus pater, „Vater Himmel“) gehen auf ihn zurück, und über das verwandte Wort für „Gott“ auch der Name des nordischen Gottes Týr. Das englische „day“ und das deutsche „Tag“ sind dagegen ein anderes Wort.
Diese Urgötter verbreiteten sich weit und veränderten sich dabei. Spuren dieser Sprache und Mythologie finden wir heute in der keltischen, griechischen, römischen, nordischen, albanischen und vielen anderen Kulturen. Der Himmelsvater gelangte auch auf den indischen Subkontinent: Die vedischen Hymnen nennen ihn Dyaus Pitā.
Für unser Thema ist in diesem Kreis ein Gott am wichtigsten: Perkwunos.
Perkwunos, der ursprüngliche Donnergott
Perkwunos wird meist als „der Schlagende“ gedeutet oder, nach einem alten Wort für die Eiche, als „Gott der Eiche“.
Die Forschung rekonstruiert ihn als Wettergott, verbunden mit dem Regen, den die Bauern für ihre Ernte brauchten. Vermutlich riefen die Menschen Perkwunos also in Zeiten der Dürre an.
Als Bringer des Regens brachte er auch Blitz und Donner, und seine Verbindung zur Eiche könnte daher rühren, dass diese hohen Bäume bei Gewittern besonders oft vom Blitz getroffen werden.
Manche Rekonstruktionen verbinden seine Waffe außerdem mit einem alten Wort für Stein, das womöglich auch das steinerne Himmelsgewölbe bezeichnete. In diesem Bild ist der Donnerkeil eine Steinwaffe, die vom Himmel geschleudert wird.
Mit mächtigen Waffen gegen Schlangen
Die bekannteste Tat des Donnergottes ist der Kampf mit einer ungeheuren Schlange. In Mythen aus der gesamten indogermanischen Welt tötet ein Sturmgott eine Schlange, und oft hortet oder blockiert diese Schlange die Wasser, die mit ihrem Tod wieder frei werden: Im Rigveda tötet Indra die Schlange Vṛtra und lässt die Flüsse wieder fließen.
Perkwunos kämpft mit seiner Waffe gegen die Schlange, und Thors Hammer könnte noch ein Echo davon bewahren. Für den Namen Mjölnir gibt es zwei Erklärungen: als „Zermalmer“ oder „Zerschmetterer“, vom Verb mala, „mahlen“, oder als Verwandter alter Wörter für den Blitz, etwa russisch molnija und walisisch mellt.
In dieser Beschreibung stecken zahlreiche Elemente, die für Thors Mythologie zentral sind.
Wir schauen uns die Verbindungen zwischen Perkwunos und Thor an, bevor wir weitergehen und Thors eigene Rolle in der nordischen Mythologie beschreiben.
Vorher lohnt aber noch ein Blick darauf, wie das Bild des Donnergottes in andere bedeutende Mythologien ausstrahlte, oft auf überraschenden Wegen. Sehen wir uns diese Verwandten an.
Jupiter, Zeus, Herkules, Indra

Jupiter ist der altrömische Gott des Himmels und des Donners und war der oberste Gott des römischen Staates. Sein griechisches Gegenstück war Zeus, der ebenfalls Blitze schleudert. Beide Namen stammen von Dyēus, dem Himmelsvater, und nicht von Perkwunos, doch beide übernahmen die Waffe des Donnergottes.
Auch dem Helden Herkules (griechisch Herakles), einem Sohn Jupiters, werden zahlreiche thorähnliche Eigenschaften zugeschrieben. Herkules erwürgt schon in der Wiege zwei Schlangen, was im Kleinen an Thors lebenslange Fehde mit der Midgardschlange erinnert.
Später kämpfte Herkules mit seiner berühmten Keule gegen die Hydra, eine vielköpfige Schlange.
Die Ähnlichkeit fiel schon den Römern auf. Tacitus schreibt im Jahr 98 n. Chr. über die Germanen, sie verehrten Merkur über alle anderen Götter und besänftigten Herkules und Mars mit Tieropfern, und die Forschung deutet seinen Herkules meist als den germanischen Donnergott.
Auch im Boden finden sich Belege. Kleine Anhänger in Form der Herkuleskeule tauchen ab der späten Römerzeit in germanischen Gräbern auf, und der Archäologe Joachim Werner deutete sie als frühe Donar-Amulette, wobei „Donar“ der kontinentalgermanische Name für Thor ist. Ob sie echte Vorläufer der Thorshammer-Anhänger sind, die Jahrhunderte später in die Wikingerzeit gehören, ist bis heute umstritten.

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*Das deutsche Wort „Donnerstag“ bedeutet „Donars Tag“ oder „Tag des Donners“. Im Deutschen wie im Englischen ist der Donnerstag also der Tag des Donnergottes.
Herkules ist also nicht aus Perkwunos hervorgegangen. Die Verbindung verläuft umgekehrt: Als Römer und Germanen aufeinandertrafen, sahen sich der keulenschwingende Kraftprotz und der hammerschwingende Donnergott ähnlich genug, um gleichgesetzt zu werden.
Im Südosten begegnet uns der Gott Indra. Indra ist der Hauptgott des Rigveda, der ältesten heiligen Schrift des Hinduismus, die ebenfalls auf die urindogermanische Mythologie zurückgeht. Er ist der Gott von Donner, Blitz, Wetter und Krieg und schwingt den Donnerkeil, den Vajra.
Die engsten Namensverwandten von Perkwunos sind der litauische Donnergott Perkūnas und der slawische Perun. Im Altnordischen könnte der Name als Fjörgyn weiterleben, ein dichterischer Name für Thors eigene Mutter: Die Völuspá nennt Thor „Fjörgyns Sohn“.
Wer ist Thor in der nordischen Mythologie?
Für alle, die vorgesprungen sind: Ab hier geht es um Thor selbst.
Und für alle, die durchgehalten haben: Skål! Jetzt wird es spannend.
Im germanischen Heidentum und in der nordischen Mythologie ist Thor der Gott des Donners, der Stärke und des Schutzes. Um 1075 schrieb Adam von Bremen, im Tempel von Uppsala thronte Thor, „der mächtigste von ihnen“, zwischen Wodan und Fricco und herrschte über Luft, Donner und Blitz, Wind und Regen, schönes Wetter und Feldfrüchte. In den Mythen ist es seine Aufgabe, Götter und Menschen vor den Riesen zu schützen, und sein großer Feind ist die Midgardschlange Jörmungandr.
Das heißt nicht, dass Perkwunos und Thor ein und derselbe sind. Thors Name ist ein anderes Wort, urgermanisch *Þunraz, „Donner“, doch seine Rolle folgt dem alten Muster sehr genau: Donner, Waffe und Schlange sind alle da.
Viele Götter, die auf den alten Donnergott zurückgehen, haben sich unterwegs verändert. Thor hat mehr von der Kerngeschichte bewahrt als die meisten, genau wie seine baltischen und slawischen Vettern Perkūnas und Perun.
Auch sein Name trägt diese Geschichte in sich. Thor (altnordisch Þórr) geht auf eine Wurzel mit der Bedeutung „Donner“ zurück, und sie klingt bis heute im Kalender nach: Das altenglische þunresdæg, „Thunors Tag“, ist das heutige englische Thursday. Seine moderne Form verdankt es zum Teil der nordischen Form Þórsdagr, und beide übersetzen das lateinische dies Iovis, „Tag des Jupiter“.
Aber genug der alten Geschichte. Kommen wir zum nordischen Mythos selbst. Wer ist Thor? Was tut er für Menschen und Götter? Und was hat es mit Thors Hammer auf sich?
Schauen wir es uns an.
Der Sohn Odins
Thor ist der Sohn Odins, des obersten Gottes der nordischen Mythologie. Snorri Sturluson schreibt, Jörð, die „Erde“, sei Odins Tochter und zugleich seine Frau gewesen, und Thor sei der erste Sohn, den Odin mit ihr hatte.
Keine Quelle lässt Odin seinem Sohn einen Auftrag erteilen, doch die Gedichte geben ihm trotzdem einen. Die Völuspá nennt ihn Miðgarðs véurr, „Midgards Beschützer“, und Snorris Skáldskaparmál zählt Beinamen für ihn auf wie Verteidiger von Asgard und von Midgard sowie Feind und Töter der Riesen und Trollweiber. Midgard, die „mittlere Einfriedung“, ist die Welt, in der die Menschen leben.
Die Gedichte sprechen von neun Welten, doch kein mittelalterlicher Text zählt sie auf, und die Quellen stapeln sie nicht übereinander. In Snorris Edda ist die Erde rund und von einem tiefen Meer umgeben; die Riesen wohnen an der Küste, Midgard liegt hinter einem Wall aus den Augenbrauen des Riesen Ymir, und die Götter erbauten Asgard in der Mitte der Welt. Das Bild der neun Welten, die entlang des Weltenbaums Yggdrasil übereinandergestapelt sind, mit Asgard an der Spitze, ist ein modernes Schema.
Asgard ist die Heimat der Götter, und auch dessen Schutz liegt in Thors Händen. Deshalb handeln die meisten Geschichten über Thor von seinen Kämpfen mit Riesen. Als ein Riese, der als Baumeister die Mauer von Asgard errichtete, kurz davor stand, Sonne, Mond und die Göttin Freyja als Lohn zu gewinnen, war Thor gerade im Osten unterwegs, um Trolle zu bekämpfen. Die Götter riefen seinen Namen, er kam sofort, und Mjölnir regelte die Sache. Thors Kampf mit der Midgardschlange ist der bekannteste dieser Kämpfe.
Thors Familie
Thors Mutter ist Jörð, und über Odin gehören Baldr, Höðr, Váli und Víðarr zu seinen Halbbrüdern. Seine Frau ist die goldhaarige Göttin Sif, die Mutter seiner Tochter Þrúðr, und Sifs Sohn Ullr ist Thors Stiefsohn. Mit der Riesin Járnsaxa zeugte er Magni, und er hat noch einen weiteren Sohn, Móði, dessen Mutter die Quellen nicht nennen.
Thors Reich heißt Þrúðvangar, „Felder der Stärke“ (die Grímnismál nennen es Þrúðheimr, „Ort der Kraft“), und seine Halle ist Bilskirnir. Die Grímnismál geben ihr fünfhundertvierzig Räume und nennen sie das größte überdachte Haus, das Odin kennt; Snorri nennt sie das größte Haus, das Menschen bekannt ist. Zwei junge Diener begleiten Thor auf seinen Reisen: das Mädchen Röskva und der Junge Þjálfi.
Thors Wagen und seine Ziegenböcke

Thors Kampf gegen die Riesen (Jötnar), Mårten Eskil Winge, 1872 (Wikimedia Commons)
Thors Wagen wird von zwei Ziegenböcken gezogen, Tanngnjóstr und Tanngrisnir (etwa „Zähneknirscher“ und „Zähnefletscher“), weshalb er laut Snorri auch Öku-Þórr heißt, „Thor der Fahrende“. Die Grímnismál erzählen dagegen, dass Thor, wenn er jeden Tag zur Esche Yggdrasil geht, um dort Gericht zu halten, die Flüsse Körmt, Örmt und die beiden Kerlaugar zu Fuß durchwatet, denn die Brücke der Götter brennt in Flammen; Snorri ergänzt, dass die anderen Götter über Bifröst reiten. Die beiden Ziegenböcke wurden zu einem von Thors deutlichsten Symbolen und finden sich bis heute auf nordischem Schmuck, etwa auf unserer Halskette mit Thors Ziegenböcken.
Thors drei Schätze
Thor besitzt drei große Schätze, und jeder steigert seine ohnehin gewaltige Kraft. Er trägt einen Kraftgürtel namens Megingjörð, von altnordisch megin (Kraft) und gjörð (Gürtel); legt er ihn an, so Snorri, wächst seine göttliche Stärke um die Hälfte. Genauso unverzichtbar sind seine eisernen Handschuhe, in den Skáldskaparmál Járngreipr („Eisengriffe“) genannt: Laut Gylfaginning kann Thor nicht auf sie verzichten, wenn er den Hammerstiel packt.
Und dann ist da natürlich noch der Hammer selbst.
Mjölnir: Thors mächtiger Hammer
Runensteine, Amulette und Personennamen deuten alle darauf hin, dass Thor ein äußerst beliebter Gott war.
Anders als manche anderen Götter, die mit List, Magie oder stillem Rat wirkten, fuhr Thor in einem von Ziegenböcken gezogenen Wagen hinaus und regelte die Dinge mit seinem Hammer. Snorri schreibt, die Reifriesen und Bergriesen erkennen Mjölnir, sobald er erhoben wird, und das ist kein Wunder, denn er hat schon vielen ihrer Väter und Verwandten den Schädel zertrümmert.
Beliebt war er, weil man ihn bewundern konnte. Thor war genau der Typ, den ein Mensch der Wikingerzeit respektierte. Deshalb gibt es winzige Thorshammer-Anhänger aus Gräbern, Personennamen, in denen sein Name steckt, und vieles mehr.
Mjölnir verfehlt nie sein Ziel, kehrt immer in Thors Hand zurück und kann so klein werden, dass er ihn unter dem Hemd tragen kann. Der Hammer weiht ebenso, wie er tötet: Thor weiht damit Baldrs Scheiterhaufen, erweckt seine Ziegenböcke wieder zum Leben, indem er ihre Felle weiht, und in der Þrymskviða verlangt der Riese Þrymr, den Hammer der Braut in den Schoß zu legen, um die Hochzeit zu weihen. Der ursprüngliche Mjölnir wurde von Zwergen geschaffen.
Wie Mjölnir geschmiedet wurde
Die Geschichte, erzählt in den Skáldskaparmál, beginnt mit Loki. Aus purem Übermut schnitt er Thors Frau Sif ihr ganzes goldenes Haar ab. Thor wollte ihm jeden Knochen im Leib brechen, also schwor Loki, er werde die Schwarzalben dazu bringen, Sif neues Haar aus Gold zu machen, das wie echtes Haar wachsen würde. Er ging zu den Zwergen, die man Ívaldis Söhne nannte, und sie schmiedeten das Haar und dazu zwei weitere Schätze: Gungnir, den Speer, der in seinem Stoß nie innehält, und Skíðblaðnir, ein Schiff, das guten Wind bekommt, sobald das Segel gesetzt ist, und das sich wie ein Tuch so klein zusammenfalten lässt, dass es in einen Beutel passt.
Wie es seine Art war, konnte Loki einer Wette nicht widerstehen. Er verwettete seinen eigenen Kopf mit einem Zwerg namens Brokkr darauf, dass Brokkrs Bruder keine drei ebenso guten Schätze schmieden könne. Die mittelalterlichen Handschriften von Snorris Edda nennen die beiden Zwerge meist gar nicht; im Codex Regius hat eine spätere Hand die Namen Brokkr und Sindri nachgetragen, und die spätmittelalterlichen isländischen Þrymlur nennen den Schmied des Hammers Eitri. Während die beiden arbeiteten, stach eine Fliege, meist als verkleideter Loki gedeutet, Brokkr am Blasebalg: zuerst in die Hand, dann in den Hals, dann zwischen die Augen, bis ihm Blut hineinlief und er den Blasebalg einen Moment losließ, um sie zu verscheuchen. Nur dieser letzte Stich richtete Schaden an, und deshalb kam das dritte Stück mit einem einzigen Makel heraus: einem etwas zu kurzen Stiel. Dieses Stück war Mjölnir. Die Brüder schmiedeten außerdem Gullinbursti, einen goldenen Eber, der durch Luft und über das Meer läuft und mit seinen Borsten die Dunkelheit erhellt, und Draupnir, einen Ring, von dem jede neunte Nacht acht neue goldene Ringe abtropfen.
Zurück in Asgard hielten die Götter Gericht über die Schätze: Odin nahm Gungnir und Draupnir, Freyr nahm Gullinbursti und Skíðblaðnir, und Thor erhielt Sifs neues Haar und den mächtigen Mjölnir. Den Hammer erklärten sie zum besten von allen und zur größten Wehr gegen die Reifriesen, und so gewann Brokkr die Wette. Loki wandte ein, er habe zwar seinen Kopf verwettet, nicht aber seinen Hals, und Brokkr begnügte sich damit, ihm die Lippen zuzunähen.
Von der Schöpfung bis Ragnarök: Thors letzte Rache
Die nordische Mythologie gehört zu den wenigen Mythologien, die vergleichsweise leicht zu verstehen sind. Bei vielen anderen bekommen wir die unterschiedlichsten Berichte darüber, wie die Dinge entstanden sind, und dazu Dutzende Deutungen dieser Berichte.
Die beiden Edden
Die meisten Geschichten über die nordischen Götter stammen aus zwei isländischen Büchern, der Lieder-Edda und der Prosa-Edda. Größtenteils erzählen sie dieselben Geschichten, weichen aber in Einzelheiten voneinander ab, wie die Angelfahrt weiter unten zeigt.
Die Lieder-Edda ist eine Sammlung von Gedichten, die vor allem in einer Handschrift überliefert ist, dem Codex Regius, geschrieben um 1270 auf Island, auch wenn viele ihrer Gedichte deutlich älter sind. Die Prosa-Edda verfasste der isländische Häuptling und Geschichtsschreiber Snorri Sturluson um 1220, und er schöpfte dabei aus vielen derselben Gedichte. Beide wurden im christlichen Island niedergeschrieben, mehr als zwei Jahrhunderte nach der Bekehrung. Die frühesten Zeugnisse sind sie allerdings nicht: Skaldengedichte aus dem 9. und 10. Jahrhundert erzählen bereits, wie Thor nach der Schlange angelt, und der Runenstein von Altuna in Schweden zeigt dieselbe Szene.
So verläuft die Geschichte im Großen und Ganzen:
Ginnungagap und die Entstehung Ymirs
Bevor irgendein Wesen das Universum bewohnte, gab es im Kosmos eine gewaltige Leere. Diese Leere hieß „Ginnungagap“.
Im Norden der Leere lag Niflheim, die Welt des Eises und der Kälte, im Süden Muspelheim, die Welt des Feuers.
Flüsse, die aus Niflheim strömten, gefroren im nördlichen Teil der Leere zu Schichten aus Reif, während aus Muspelheim im Süden Funken und warme Luft kamen. Wo der Reif auf die warme Luft traf, schmolz er und tropfte.
Aus diesen Tropfen entstand das erste Wesen, Ymir. Er war ein Riese und nährte sich von den vier Milchströmen, die aus der Kuh Auðumbla flossen.
Ymir brachte ohne Partnerin Kinder hervor: Unter seinem linken Arm wuchsen ein Mann und eine Frau, und eines seiner Beine zeugte mit dem anderen einen Sohn. Diese Kinder bevölkerten später die Welt der Riesen, und Riesen heirateten später in die Familien der Götter ein.
Die Erschaffung der Erde
Während Auðumbla Ymir nährt, leckt sie an den salzigen Reifblöcken und legt dabei nach und nach einen weiteren Mann frei. Das war Buri, der Großvater Odins. Odin und seine Brüder Vili und Vé töteten später Ymir und formten aus den Teilen seines Körpers die Erde.
Aus seinem Blut wurden das Meer und die Seen, aus seinem Fleisch die Erde, aus seinen Knochen die Felsen, aus seinem Haar die Bäume, aus seinem Schädel der Himmel und aus seinem Gehirn die Wolken. Hinter einem Wall aus seinen Augenbrauen errichteten die Götter Midgard, wo die Menschen leben und die Götter verehren.
Die Gedichte sprechen auch von neun Welten, und Snorri schreibt, Hel habe die Herrschaft über neun Welten erhalten, doch kein mittelalterlicher Text zählt sie auf. Die bekannte Liste von neun Welten rund um Yggdrasil, Heimat von Göttern, Elfen, Zwergen, Riesen und Toten, ist eine moderne Zusammenstellung aus Namen, die über die Quellen verstreut sind.
Unter den Göttern passiert eine Menge, doch der zentrale Erzählstrang führt auf Ragnarök zu. Ragnarök (altnordisch ragna rök) bedeutet „Schicksal der Götter“ und bezeichnet das Ende der Zeiten; die bekannte „Götterdämmerung“ geht auf eine Nebenform zurück, ragnarökkr, die in der Lokasenna und bei Snorri vorkommt. Die meisten Götter sterben in dieser Endzeit, und mit Ragnarök beginnt ein neues Zeitalter.
Der listige Gott Loki und seine Kinder spielen dabei eine ganz entscheidende Rolle.
Loki, Jörmungandr und Fenrir
Lokis Kinder gehören untrennbar zum Beginn von Ragnarök. Vor allem sein Sohn Jörmungandr spielt eine gewaltige Rolle.
Aus Weissagungen erfuhren die Götter, dass Lokis drei Kinder mit der Riesin Angrboða ihnen großes Unheil bringen würden. Also ließ Odin sie zu sich bringen und warf die Schlange in das tiefe Meer, das alle Länder umgibt. Dort wuchs sie, bis sie die ganze Erde umschlang und sich dabei in den eigenen Schwanz biss.
Jörmungandr ist weniger eine Figur als eine Naturgewalt. In den Quellen spricht er kein einziges Wort; er ist einfach eine riesige Schlange mit dem Gemüt, nun ja, einer Schlange!
Er begegnet Thor dreimal: verwandelt in eine riesige Katze, die Thor in der Halle von Útgarða-Loki hochzuheben versucht, am Ende von Thors Angelschnur und in Ragnarök. Den Rest der Zeit liegt er im Ozean, um die Erde gewunden, den Schwanz im Maul.
Der Anbruch von Ragnarök
Snorri beschreibt den Beginn von Ragnarök so: Zuerst kommen drei Winter voller Kriege, dann der Fimbulwinter, drei Winter hintereinander ohne Sommer dazwischen. Wölfe verschlingen Sonne und Mond, die Sterne verschwinden, und die ganze Erde bebt so heftig, dass Bäume entwurzelt werden, Berge einstürzen und jede Fessel reißt.
Dann überflutet das Meer das Land, denn die Midgardschlange windet sich in Riesenwut und zieht an die Küste. Nirgends in den Quellen steht, dass sie Ragnarök auslöst, indem sie ihren Schwanz loslässt; dieses Detail ist modern. Jörmungandr speit so viel Gift, dass es Himmel und Meer bespritzt, Fenrir (Lokis ungeheurer Wolfssohn) reißt sich los und wird Odin verschlingen, und Thor stellt sich der riesigen Schlange in seiner letzten großen Tat.
Thor und Jörmungandr sind Todfeinde. Ihre bekannteste Begegnung vor dem Ende wird zweimal erzählt, einmal in einem Gedicht und einmal von Snorri, und sie hat durchaus etwas Komisches.
Die Angelfahrt
In dem eddischen Gedicht Hymiskviða beginnt die Fahrt bei einem Festmahl.
Die Götter feierten beim Meeresriesen Ægir, der Thor aufforderte, ihm einen Kessel zu bringen, der groß genug wäre, um für sie alle Bier zu brauen. Keiner der Götter hatte einen solchen.
Der Gott Týr wusste von dem richtigen Topf: Sein Vater, der Riese Hymir, besaß einen meilentiefen Kessel und wohnte östlich der Flüsse Élivágar, am Rand des Himmels. Thor und Týr machten sich auf, ihn zu holen.
Als sie ankamen, ließ Hymir drei Stiere zum Abendessen schlachten. Thor aß allein zwei davon, was Hymir so beunruhigte, dass er sagte, von nun an müssten sie von dem leben, was sie fingen.
Thor bot an, aufs Meer hinauszurudern, wenn der Riese ihm einen Köder gebe, und riss dafür einem von Hymirs Ochsen den Kopf ab. Draußen auf dem Wasser wollte er weiter hinausrudern, als es Hymir lieb war.
Hymir zog zwei Wale auf einmal heraus. Währenddessen bereitete Thor im Heck in aller Ruhe seine eigene Leine vor.
Er steckte den Ochsenkopf auf einen Haken und ließ ihn ins Wasser hinab.
Die Schlange, die alle Länder umschlingt, biss an. Im Gedicht zieht Thor die giftgestreifte Schlange bis an die Bordwand und schlägt ihr mit dem Hammer auf den Kopf; die Felsen dröhnen, die alte Erde erbebt, und die Schlange sinkt zurück ins Meer.
Snorri erzählt es dramatischer. Thor zog allein los, verkleidet als junger Bursche, und der Ochse, den er köpfte, war Hymirs größter, Himinhrjóðr. Als die Schlange anbiss, riss sie so heftig, dass Thors Fäuste gegen die Bordwand schlugen. Er stemmte sich so fest dagegen, dass seine Füße durch den Bootsboden brachen und auf dem Meeresgrund standen, und er zog die Schlange herauf, bis die beiden einander anstarrten, während sie Gift spie.
Hymir wurde vor Angst bleich, als er die Schlange sah und das Meer, das ins Boot hinein- und wieder herausströmte. Gerade als Thor den Hammer hob, kappte der Riese die Leine, und die Schlange versank. Thor warf ihr den Hammer hinterher; manche sagen, er habe ihr den Kopf abgeschlagen, doch Snorris Erzähler glaubt, dass die Schlange im Meer weiterlebt.
Thor schlug Hymir so hart, dass er kopfüber über Bord ging, und watete dann zurück an Land.
Der Kampf zwischen Thor und Jörmungandr in Ragnarök
Wenn Ragnarök in vollem Gang ist, kämpfen alle möglichen bösen Bestien und Feinde der Götter im Chaos eines schwankenden Kosmos.
Odin wird verschlungen, die Erde wird überflutet, und die Schlacht tobt weiter. Thor ist dazu bestimmt, Jörmungandr zu suchen und ein für alle Mal mit ihm zu kämpfen. Die beiden treffen aufeinander und liefern sich ihren letzten Kampf.
Thor schwingt Mjölnir und erschlägt die Schlange. Doch sie hat ihr Gift über ihn gespien, und so geht Thor nach seinem Sieg neun Schritte und stürzt tot zu Boden.
Er tut seine letzten Atemzüge, und der größte Held der alten Götterwelt stirbt.
Ragnarök steht noch bevor
In der Völuspá erzählt die Seherin Ragnarök als Prophezeiung, in der eigenen Zeit des Mythos ist das Ende also noch nicht gekommen. Das heißt: Thor ist noch immer da draußen und schwingt seinen gewaltigen Hammer.
Auch Odin ist noch da draußen und sammelt gefallene Krieger in Walhall für die letzte Schlacht.
Wenn Ragnarök tatsächlich kommt, sterben Odin, Thor, Freyr, Týr und Heimdallr, und mit ihnen Loki, der Wolf Fenrir und die Midgardschlange. Danach steigt eine neue, grüne Erde aus dem Meer. Odins Söhne Víðarr und Váli überleben, Baldr und Höðr kehren von Hel zurück, und Thors Söhne Móði und Magni erben Mjölnir, wie es die Vafþrúðnismál vorhersagen. Zwei Menschen, Líf und Lífþrasir, überstehen die Verwüstung und bevölkern die Welt neu.
Welche Bedeutung hat Thor heute?
Jetzt weißt du also, woher Thor kommt und welchen Einfluss er auf die Weltgeschichte hatte.
Unzählige Menschen haben ihn verehrt, ihn selbst oder eine der Gestalten, in denen er sich über viele Kulturen der Welt verbreitet hat. Springen wir in die Gegenwart, begegnet uns Thor noch immer überall.
Thors Macht über die Menschen ist alt und tief. Namen, die auf seinem aufbauen, wie Þorsteinn, Þórólfr und Þórdís, sind zahlreicher als die Namen, die mit dem Namen irgendeines anderen Gottes gebildet wurden, und zwar sowohl in der Landnámabók, dem isländischen Landnahmebuch, als auch in Runeninschriften, und auf Island sind sie bis heute gebräuchlich. Runensteine in Dänemark und Schweden bitten Thor, sie zu weihen, das Amulett von Kvinneby bittet ihn, seinen Träger mit seinem Hammer zu schützen, und Hammeranhänger gehören zu den häufigsten Amuletten der Wikingerzeit. Eine Gussform aus Speckstein aus Trendgården in Jütland goss Kreuze und Hämmer nebeneinander, eine Zeit lang kamen das alte und das neue Zeichen also aus derselben Werkstatt.
Wir sehen ihn ganz selbstverständlich im Marvel-Universum oder ausführlich dargestellt in extrem beliebten Spielen wie God of War. Noch immer gibt es Feste und Treffen, bei denen die nordischen Götter gefeiert werden, ob die Teilnehmer sie nun tatsächlich „verehren“ oder nicht. Moderne Thorshammer-Halsketten tragen dieselbe Bedeutung wie die alten Amulette: Schutz und Stärke.
Und es gibt nach wie vor kleine Gruppen, die die nordischen Götter auf ähnliche Weise verehren wie in alten Zeiten.
Erfahre mehr über die nordische Mythologie
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Der Hammer selbst hat eine eigene Geschichte, die wir in Mjölnir, der Hammer Thors erzählen; ob Thor oder Loki älter ist, klären wir in einem eigenen Artikel, und passende Anhänger findest du in unserer Kollektion mit Thorshammer-Schmuck.
Häufige Fragen zu Thor
Wer ist Thor?
Thor ist der nordische Gott des Donners und der Sohn von Odin und Jörð. Mit dem Hammer Mjölnir beschützt er die Götter Asgards und die Menschen vor den Riesen, und er ist der am besten belegte Gott des nordischen Pantheons: auf Runensteinen, auf Amuletten und in Personennamen.
Wofür steht der Gott Thor?
Thor ist der Gott des Donners, der Stärke und des Schutzes von Göttern und Menschen. Um 1075 schrieb Adam von Bremen, in Uppsala glaube man, er herrsche über Luft, Donner und Blitz, Wind und Regen, schönes Wetter und Feldfrüchte.
Wie heißt Thors Hammer?
Thors Hammer heißt Mjölnir. Er wurde von Zwergen geschmiedet, verfehlt nie sein Ziel und kehrt immer in Thors Hand zurück, und er wurde zu einem Schutzsymbol, das die Menschen im Norden trugen.
Wer hat Thors Hammer geschmiedet?
Mjölnir wurde bei einer Wette mit Loki vom Bruder des Zwergs Brokkr geschmiedet, der im Codex Regius von Snorris Edda Sindri heißt und in späteren Quellen Eitri. Eine Fliege, meist als Loki gedeutet, stach Brokkr am Blasebalg, und so bekam der Hammer einen etwas zu kurzen Stiel, seinen einzigen Makel. Trotzdem verfehlte er nie sein Ziel und kehrte immer in Thors Hand zurück.
Wer sind Thors Eltern und seine Familie?
Thor ist der Sohn Odins und der Erdgöttin Jörð. Seine Frau ist die goldhaarige Göttin Sif, seine Kinder sind die Söhne Magni und Móði und die Tochter Þrúðr, und Sifs Sohn Ullr ist sein Stiefsohn.
Stirbt Thor in Ragnarök?
Ja. In Ragnarök tötet Thor die Midgardschlange Jörmungandr, stirbt aber an ihrem Gift und schafft nur noch neun Schritte, bevor er fällt.
Warum ist Thor so beliebt?
In der Wikingerzeit wurde Thor als starker Beschützer geliebt: Namen, die auf seinem aufbauen, sind zahlreicher als die jedes anderen Gottes, und Hammeramulette wurden weithin getragen, eine Zeit lang sogar neben christlichen Kreuzen. Die Marvel-Filme machten ihn dann weltweit berühmt.