Runen Bedeutung: Alle 24 Runen des Älteren Futhark erklärt
Runen Bedeutung im Überblick: Das Ältere Futhark (Elder Futhark) ist das älteste Runenalphabet, mit 24 Zeichen, die von etwa 150 bis 800 n. Chr. verwendet wurden. Jede Rune stand für einen Laut und trug einen Namen, der zugleich ein gewöhnliches Wort war, etwa Fehu, „Vieh“ oder Wohlstand. Dieser Leitfaden erklärt die Bedeutung jeder Rune von Fehu bis Othala: ihren rekonstruierten Namen und Laut, was die mittelalterlichen Runengedichte über sie sagen, und die moderne Deutung, aufrecht und umgekehrt, wie sie heute beim Runenorakel verwendet wird, jeweils mit Aussprache.
Die Runenalphabete waren die ersten Schriftzeichen, die die germanischen Völker schufen, und die Nordmänner schrieben jahrhundertelang in Runen. Runen des Älteren Futhark tauchen bis heute auf Schmuck auf, und auch im nordischen Mythos haben Runen ihren Platz: Im Gedicht Hávamál gewinnt Odin die Runen, indem er neun Nächte an einem windigen Baum hängt. Im Alltag waren Runen Buchstaben, mit denen man in mehreren germanischen Sprachen schrieb. Jede Rune hatte außerdem einen Namen, der ein gewöhnliches Wort war, und bei diesem Namen beginnt ihre Bedeutung. Die Vorstellung, dass jede Rune für eine kosmische Kraft steht und man beim Schreiben ihre Macht anruft, stammt von modernen esoterischen Autoren, nicht aus der Wikingerzeit; sie gehört zu den modernen Deutungen und nicht zu den nordischen Symbolen und ihrer Bedeutung, wie sie die Quellen überliefern. Runen wurden in Stein, Holz, Knochen und Metall geritzt, und ihre Formen eignen sich dafür: überwiegend gerade Stäbe und Schrägen, wenige Rundungen und keine waagerechten Striche, die entlang der Holzmaserung kaum zu sehen sind.
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Herkunft des Runenalphabets
Das Wort „Rune“ ist alt. Altnordisch rún bedeutet sowohl Rune als auch Geheimnis, gotisch rūna heißt „Geheimnis, Mysterium“, und altenglisch rūn bedeutet „Geheimnis“ oder „Flüstern“. Im heutigen Deutschen bezeichnet Rune schlicht ein Runenzeichen, und das verwandte Verb raunen bedeutet „flüstern“. Der älteste Sinn des Wortes scheint also etwas Verborgenes oder leise Gesprochenes zu sein, erst später der Buchstabe selbst. Die frühesten Runeninschriften stammen aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. In der Wikingerzeit verwendeten die Nordmänner Runen, und mit der Ausbreitung des Christentums wurden sie nach und nach vom lateinischen Alphabet verdrängt. Ganz verschwunden sind Runen trotzdem nie: In Dalarna in Schweden schrieben Menschen noch bis ins 19. Jahrhundert in einer örtlichen Runenschrift, und heute werden Runen als Verzierung verwendet, auf Schmuck und in der Kunst.
Runenalphabete heißen auch „Futhark“. Den Namen haben sie von den Lauten ihrer ersten sechs Runen, f, u, th, a, r und k (Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho und Kenaz, auch als Kaunan rekonstruiert).
Man unterscheidet die drei bekanntesten Runenalphabete:
1. Das Ältere Futhark (besteht aus 24 Zeichen und wurde von 150 bis 800 n. Chr. verwendet),
2. Das angelsächsische Futhorc (mit bis zu 33 Zeichen, verwendet von etwa 400 bis 1100 n. Chr.),
3. Das Jüngere Futhark (bestand aus 16 Zeichen und wurde von 800 bis 1100 n. Chr. verwendet).
Heute geht es um das älteste Runenalphabet und die Bedeutung seiner Runen. Was man über Runenbedeutungen liest, kann schnell überwältigend wirken. Deshalb geben wir uns Mühe, diesen Artikel so informativ und so einfach wie möglich zu halten.
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Was sind die Runen des Älteren Futhark?
Das Ältere Futhark ist das älteste Runenalphabet. Es besteht aus 24 Runen, jede mit eigenem Namen und Laut. Als die Wikingerzeit begann, hatten die Skandinavier es bereits auf das Jüngere Futhark mit 16 Runen verkürzt; die Wikinger selbst schrieben also mit der jüngeren Reihe, während die meisten Ratgeber zur Runenbedeutung heute das Ältere Futhark verwenden. Seine Runen sind in drei Reihen zu je acht gegliedert, die ættir heißen (Singular ætt). Diese Einteilung ist alt: Zwei schwedische Goldanhänger aus der Zeit um das 6. Jahrhundert, die Brakteaten von Vadstena und Grumpan, teilen die Reihe bereits in drei Gruppen.
Die spätere isländische Überlieferung benannte die drei Reihen des Jüngeren Futhark als Freyrs ætt, Hagalls ætt (nach der Hagel-Rune) und Týrs ætt (nach der Týr-Rune). Der moderne Brauch, jede Reihe Göttern zuzuordnen, mit Freyr und Freyja, den Gottheiten der Fruchtbarkeit, über der ersten, Heimdall über der zweiten und Tyr über der dritten, stammt aus modernen Runenbüchern, nicht aus nordischen Quellen. Gefunden wurden nur einige hundert Inschriften im Älteren Futhark, und viele davon sind kurz, verwittert oder schwer lesbar.
Die ältesten Inschriften sind meist Namen und kurze Wendungen: ein Besitzer, ein Hersteller, ein Gedenken. Einige spätere Inschriften und eddische Gedichte setzen Runen tatsächlich als Zauber ein, für Sieg, Heilung oder sichere Seefahrt. Jede Rune aufrecht und umgekehrt zu deuten, wie es die modernen Abschnitte weiter unten tun, ist eine Praxis des 20. Jahrhunderts: Das Runenwerfen mit einer Bedeutung für jede Rune und Deutungen für umgekehrte Runen machte Ralph Blums The Book of Runes 1982 populär. In diesem System können Runen, deren Form nicht symmetrisch ist, kopfüber oder gespiegelt gezogen werden (merkstave) und werden dann mit abgeschwächter oder gegenteiliger Bedeutung gelesen.
Eine zeitgenössische Liste der Runennamen des Älteren Futhark ist nicht erhalten. Die Namen werden aus drei Runengedichten rekonstruiert, die erst Jahrhunderte später aufgeschrieben wurden: dem altenglischen Runengedicht, das alle 24 Runen und mehr abdeckt, sowie dem norwegischen Runengedicht und dem isländischen Runengedicht, die nur die 16 Runen des Jüngeren Futhark behandeln. Manche Namen sind sicher, andere sind begründete Vermutungen, und die Aussprachen unten sind nur Annäherungen.
Sehen wir uns die Bedeutung der Runen des Älteren Futhark an, von den Quellen bis zu den modernen Deutungen.
1. Fehu ᚠ (Aussprache: Fe-hu)

Name und Laut: die „f“-Rune. Rekonstruierter Name fehu, „Vieh“, und damit beweglicher Besitz (altnordisch fé, altenglisch feoh).
In den Runengedichten: Alle drei Gedichte lesen sie als Reichtum. Das altenglische Gedicht sagt, Reichtum sei jedem ein Trost, doch jeder müsse ihn freigebig teilen, wenn er vor dem Herrn Ruhm erlangen wolle. Das norwegische Gedicht sagt, Reichtum stifte Streit unter Verwandten, und das isländische nennt ihn den Streit der Verwandten, das Feuer des Meeres und den Pfad der Schlange, dichterische Namen für Gold.
Moderne Deutung: Wohlstand, Glück und finanzieller Gewinn, ein Zeichen von Hoffnung und Fülle. Umgekehrt steht sie für Enttäuschung, eine falsche Entscheidung oder persönliches Scheitern.
2. Uruz ᚢ (Aussprache: U-rus)
Name und Laut: die „u“-Rune. Rekonstruierter Name ūruz, „Auerochse“, das heute ausgestorbene Wildrind Europas. Dieser Name stützt sich auf das altenglische Gedicht.
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht beschreibt den Auerochsen als wild und mit großen Hörnern, einen kühnen Moorgänger, der mit seinen Hörnern kämpft. In den beiden nordischen Gedichten heißt die Rune úr und bedeutet etwas anderes: Das norwegische Gedicht sagt, Schlacke komme von schlechtem Eisen, und das isländische nennt sie das Weinen der Wolken und den Hass des Hirten, also Nieselregen.
Moderne Deutung: körperliche, geistige und emotionale Stärke, Gesundheit, unbezwingbare Kraft wie die eines Wildrinds, Mut beim Überwinden von Hindernissen und unerwartete Wendungen zum Guten. Umgekehrt steht sie für Schwäche, fehlgeleitete Kraft, Brutalität und Gewalt gegen andere.
3. Thurisaz ᚦ (Aussprache: Thu-ri-sas)
Name und Laut: die „þ“-Rune, gesprochen wie das englische „th“ in „thin“. Rekonstruierter Name þurisaz, „Riese“ (altnordisch þurs). Das altenglische Gedicht nennt sie þorn, „Dorn“.
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht sagt, der Dorn sei sehr scharf, schmerzhaft zu greifen und grausam zu jedem, der zwischen Dornen liegt. Das norwegische Gedicht sagt, der Riese bringe Frauen Krankheit, und das isländische nennt ihn die Qual der Frauen und einen Bewohner der Klippen. Moderne Bücher verbinden diese Rune oft mit dem Gott Thor; kein Runengedicht tut das.
Moderne Deutung: Vorsicht, Schutz und eine Warnung vor einem möglichen Hinterhalt. Umgekehrt steht sie für Gefahr, Bosheit, Verrat und Hilflosigkeit.
4. Ansuz ᚨ (Aussprache: An-sus)
Name und Laut: die „a“-Rune. Rekonstruierter Name ansuz, „ein Gott“, einer der Asen (altnordisch áss, in den Gedichten óss geschrieben).
In den Runengedichten: Das isländische Gedicht nennt óss den uralten Gautr, Fürsten von Ásgarðr und Herrn von Walhall, also Odin. Das norwegische Gedicht liest óss als Flussmündung, den Weg der meisten Reisen, und das altenglische ōs ist der Ursprung aller Rede, eine Stütze der Weisheit und ein Trost für weise Männer.
Moderne Deutung: gute Kommunikation, Prophezeiung, Weisheit und Zeichen, die dich zur richtigen Entscheidung führen. Umgekehrt steht sie für Missverständnis, Verblendung oder Täuschung, was manche modernen Deuter Odin zuschreiben.
5. Raidho ᚱ (Aussprache: Rai-tho)
Name und Laut: die „r“-Rune. Rekonstruierter Name raidō, „Ritt, Reise“ (altnordisch reið, altenglisch rād).
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht spottet, Reiten scheine jedem Krieger leicht, der in der Halle sitzt, und sei sehr harte Arbeit für den, der auf einem kräftigen Pferd die langen Meilen zurücklegt. Das norwegische Gedicht sagt, Reiten sei für Pferde das Schlimmste und Reginn habe das beste Schwert geschmiedet; das isländische nennt es die Freude des Reiters, eine schnelle Reise und die Mühsal des Pferdes.
Moderne Deutung: Reise, körperlich wie geistig, Wandel, Anpassungsfähigkeit und der Blick fürs große Ganze; manche Deuter ergänzen das Wiedersehen mit alten Freunden. Umgekehrt steht sie für Stillstand und Verzögerung und für die Aufforderung, dein Verhalten zu überdenken und aus deinen Fehlern zu lernen.
6. Kenaz ᚲ (Aussprache: Ke-nas)
Name und Laut: die „k“-Rune. Ihr Name im Älteren Futhark ist unsicher: Er wird entweder als kenaz, „Fackel“, nach dem altenglischen cēn rekonstruiert oder als kaunan, „Geschwür“, nach dem nordischen kaun.
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht sagt, die Fackel sei jedem Lebewesen durch ihr Feuer bekannt, bleich und hell, und brenne dort, wo Edle drinnen ruhen. Das norwegische Gedicht sagt, ein Geschwür sei der Fluch der Kinder, und das isländische nennt es ein Verderben der Kinder und ein Haus faulenden Fleisches.
Moderne Deutung: Fackel, Feuer und Leuchtfeuer: Licht, das die Dunkelheit vertreibt, Kreativität sowie persönlicher Fortschritt und persönliche Entwicklung. Umgekehrt steht sie für Unbeständigkeit und fehlende Inspiration.
7. Gebo ᚷ (Aussprache: Ge-bo)

Name und Laut: die „g“-Rune. Rekonstruierter Name gebō, „Gabe“. Nur das altenglische Gedicht hat eine Strophe dazu, weil die Rune im Jüngeren Futhark, das die Wikinger verwendeten, wegfiel.
In den Runengedichten: Die altenglische giefu-Strophe sagt, Geben bringe Menschen Ehre und Lob, Halt und Würde, und schenke jedem Ausgestoßenen, der sonst nichts hat, Hilfe und Auskommen.
Moderne Deutung: Gaben, Großzügigkeit, Einheit, Vergebung und Selbstaufopferung: ein gegenseitiges Band zwischen zwei Menschen und Gleichgewicht in Beziehungen, ob geschäftlich, freundschaftlich oder in der Liebe. Sie hat die Form eines X und sieht in beiden Richtungen gleich aus, deshalb geben ihr moderne Deutungen keine umgekehrte Bedeutung.
8. Wunjo ᚹ (Aussprache: Wun-jo)
Name und Laut: die „w“-Rune. Rekonstruierter Name wunjō, „Freude“ (altenglisch wynn). Wie Gebo ist sie nur im altenglischen Gedicht überliefert.
In den Runengedichten: Freude hat, wer wenig Leid, Schmerz oder Kummer kennt und dazu Wohlstand, Glückseligkeit und Fülle besitzt.
Moderne Deutung: Zufriedenheit, Euphorie und Freude. Die Deutung besagt, dass pessimistische Gedanken negative Energie anziehen und positive Gedanken positive Energie bringen. Umgekehrt kündigt sie eine schlechte, unglückliche Zeit an.
9. Hagalaz ᚺ (Aussprache: Ha-ga-las)
Name und Laut: die „h“-Rune. Rekonstruierter Name hagalaz, „Hagel“ (altnordisch hagall, altenglisch hægl).
In den Runengedichten: Alle drei Gedichte nennen Hagel ein Korn. Das altenglische Gedicht sagt, er sei das weißeste der Körner, vom Himmel gewirbelt und von Windböen umhergeworfen, bevor er zu Wasser wird. Das norwegische Gedicht nennt Hagel das kälteste der Körner und fügt hinzu, dass Christus einst die Welt erschuf; das isländische nennt ihn kaltes Korn, einen Schauer aus Schneeregen und die Krankheit der Schlangen.
Moderne Deutung: zerstörerische, unkontrollierte Kräfte und der Zorn der Natur, Dinge, die nicht vom menschlichen Willen abhängen, etwa Krankheit und Naturkatastrophen. Moderne Deutungen geben ihr keine umgekehrte Form.
10. Nauthiz ᚾ (Aussprache: Nau-this)
Name und Laut: die „n“-Rune. Rekonstruierter Name naudiz, „Not, Bedrängnis“ (altnordisch nauð, altenglisch nīed).
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht sagt, Not liege eng auf der Brust, werde aber oft zu Hilfe und Heilung für jene, die sie rechtzeitig beachten. Das norwegische Gedicht sagt, Not lasse wenig Wahl, und der nackte Mann friere im Frost; das isländische nennt sie den Kummer der Magd, einen harten Zustand und mühselige Arbeit.
Moderne Deutung: Not, Entbehrung und Stillstand: der Beginn von Schwierigkeiten, die deine Pläne blockieren. Um sie zu überwinden, stell dich deinen Ängsten und führe selbst eine Veränderung herbei (zum Beispiel einen neuen Job). Umgekehrt steht sie für verlorene Freiheit, Armut und Hunger.
11. Isa ᛁ (Aussprache: I-sa)
Name und Laut: die „i“-Rune. Rekonstruierter Name īsaz, „Eis“ (altnordisch íss, altenglisch īs).
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht nennt Eis sehr kalt und glatt, glitzernd klar wie Glas, Edelsteinen ganz ähnlich, einen vom Frost gemachten Boden, schön anzusehen. Das norwegische Gedicht sagt: Eis nennen wir die breite Brücke; den Blinden muss man führen. Das isländische nennt es die Rinde der Flüsse, das Dach der Welle und eine Gefahr für todgeweihte Männer.
Moderne Deutung: Eis und Winter: Verzögerung, Aufschub, Stillstand. Sie soll die Runen um sie herum verstärken. Moderne Deutungen geben ihr keine umgekehrte Form.
12. Jera ᛃ (Aussprache: Je-ra)
Name und Laut: die „j“-Rune, gesprochen wie das „j“ in „Jahr“. Rekonstruierter Name jēra, „Jahr“, im Sinne einer guten Ernte (altenglisch gēr, altnordisch ár). Im Jüngeren Futhark verlor der Name ár seinen j-Laut, und die Rune stand fortan für „a“.
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht sagt, das Jahr sei die Hoffnung der Menschen, wenn Gott, der heilige König des Himmels, die Erde helle Früchte für Arm und Reich hervorbringen lässt. Das norwegische Gedicht nennt die Fülle einen Segen für die Menschen und sagt, Fróði sei freigebig gewesen; das isländische nennt sie einen Segen für die Menschen, einen guten Sommer und ein reifes Feld.
Moderne Deutung: eine gute Ernte, natürliche Kreisläufe und der Lohn für die Mühe: Was gesät wurde, kann endlich eingebracht werden, und eine friedliche, glückliche Zeit beginnt. Moderne Deutungen geben ihr keine umgekehrte Form.
13. Eihwaz ᛇ (Aussprache: Ej-was oder Ih-was)
Name und Laut: Ihr Laut ist unsicher. Er wird als „ï“ und manchmal als „æ“ umschrieben, wahrscheinlich ein Vokal zwischen e und i. Rekonstruierter Name eihwaz oder īwaz, „Eibe“ (altenglisch ēoh).
In den Runengedichten: Nur das altenglische Gedicht behandelt diese Rune: Die Eibe ist ein Baum, außen rau, hart und fest in der Erde, ein Hüter des Feuers, von ihren Wurzeln gehalten, eine Freude auf dem Landgut. Die nordischen Gedichte enden mit einer Strophe über ýr, „Eibe“, die das norwegische Gedicht den grünsten der Bäume im Winter nennt und das isländische einen gekrümmten Bogen; dort gehört der Name jedoch zu einer anderen Rune, der R-Rune des Jüngeren Futhark (ᛦ), deren Form von Algiz stammt.
Moderne Deutung: Leben und Tod, Erneuerung und die Eibe. Sie wird nicht als Tod im wörtlichen Sinn gelesen, sondern als Zeichen, dass alles erneuert und wiedergeboren wird. Die langlebige Eibe einen „Lebensbaum“ zu nennen, ist eine moderne Idee. Moderne Deutungen geben ihr keine umgekehrte Form.
14. Perthro ᛈ (Aussprache: Per-thro)
Name und Laut: die „p“-Rune. Ihr Name ist unbekannt. Meist wird er als perth- nach dem altenglischen peorð rekonstruiert, einem Wort, das sonst nirgends vorkommt. Der p-Laut war im frühen Germanischen selten, und ebenso selten ist diese Rune in Inschriften.
In den Runengedichten: Nur das altenglische Gedicht: peorð ist stets Spiel und Lachen für die Stolzen, wo Krieger fröhlich beisammen in der Bierhalle sitzen. Das deutet auf ein Spiel hin, und die Vermutungen reichen von einer Spielfigur bis zu einem Würfelbecher; die verbreitete Vorstellung eines Losbechers ist moderne Spekulation.
Moderne Deutung: ein Geheimnis, ein Mysterium und verborgene Dinge, die darauf warten, entdeckt zu werden. Sie rät, den Zeichen auf deinem Weg zu folgen und dich auf deine Intuition zu verlassen. Umgekehrt steht sie für ein unerwünschtes Geheimnis, das ans Licht kommt.
15. Algiz ᛉ (Aussprache: Al-gis)

Name und Laut: die „z“-Rune, ein Laut, aus dem später das nordische R wurde. Ihr Name ist unsicher: Meist wird er als algiz, „Elch“, rekonstruiert, nach dem altenglischen eolhx, „Elchsegge“.
In den Runengedichten: Das eolhsecg des altenglischen Gedichts ist ein Sumpfgras, das im Wasser wächst, grimmig verwundet und jeden mit Blut befleckt, der danach greift. Die nordischen Gedichte haben unter diesem Namen keine Strophe dafür.
Moderne Deutung: Instinkt und Schutz deines Zuhauses oder deines Zufluchtsorts vor verschiedenen Bedrohungen. Umgekehrt steht sie für eine Warnung oder eine verborgene Gefahr.
16. Sowilo ᛊ (Aussprache: So-wi-lo)
Name und Laut: die „s“-Rune. Rekonstruierter Name sōwilō, „Sonne“ (altnordisch sól, altenglisch sigel).
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht sagt, die Sonne sei Seefahrern stets eine Hoffnung, wenn sie das Bad der Fische überqueren, bis das Meeresross sie an Land bringt. Das norwegische Gedicht nennt die Sonne das Licht der Länder und verneigt sich vor dem heiligen Urteil; das isländische nennt sie den Schild der Wolken, einen leuchtenden Strahl und die Zerstörerin des Eises.
Moderne Deutung: Gesundheit, Sonnenlicht, Lebenskraft und gute Energie, die Kraft, deine Ziele zu erreichen, und positive Veränderungen im Leben. Moderne Deutungen geben ihr keine umgekehrte Form.
17. Tiwaz ᛏ (Aussprache: Ti-was)
Name und Laut: die „t“-Rune. Rekonstruierter Name tīwaz, der Gott Týr (altnordisch Týr, altenglisch Tīw).
In den Runengedichten: Das norwegische Gedicht nennt Týr den Einhändigen unter den Asen, und das isländische nennt ihn den einhändigen Gott, den Rest des Wolfes und den Fürsten der Tempel, in Erinnerung daran, wie der Wolf Fenrir ihm die Hand abbiss. Das altenglische tīr ist ein Zeichen, das den Fürsten die Treue bewahrt und durch die Nebel der Nacht stets seinen Kurs hält, was auf einen Stern hindeutet.
Moderne Deutung: Sieg, Mut und der Krieger, abgeleitet von der speerartigen Form der Rune, und die Bereitschaft, für größere Ziele Opfer zu bringen. Umgekehrt steht sie für fehlende Motivation und Angst vor dem Scheitern.
18. Berkano ᛒ (Aussprache: Ber-ka-no)
Name und Laut: die „b“-Rune. Rekonstruierter Name berkanan, oft Berkano oder Berkana geschrieben, „Birke“ (altnordisch bjarkan, altenglisch beorc).
In den Runengedichten: Das norwegische Gedicht sagt, die Birke habe das grünste Laub aller Sträucher, und fügt eine Zeile über Lokis Betrug hinzu; das isländische nennt sie einen belaubten Zweig, einen kleinen Baum und frisches junges Holz. Das altenglische Gedicht sagt, die beorc trage keine Frucht, treibe aber ohne Samen Schösslinge, ihre Zweige schön, hoch gekrönt und voller Blätter; manche Forscher meinen, der Dichter habe die Pappel gemeint.
Moderne Deutung: Geburt, Neubeginn, Familie und geliebte Menschen sowie der Kreislauf des Lebens. Dass die Birke im Frühling als einer der ersten Bäume grün wird, gilt als Hinweis auf Geburt (manchmal Schwangerschaft). Umgekehrt steht sie für Stillstand und langsameres Vorankommen auf dem Weg zu deinen Zielen.
19. Ehwaz ᛖ (Aussprache: Eh-was)
Name und Laut: die „e“-Rune. Rekonstruierter Name ehwaz, „Pferd“ (altenglisch eoh, verwandt mit lateinisch equus). Nur das altenglische Gedicht hat sie.
In den Runengedichten: Das Pferd ist eine Freude der Fürsten vor den Kriegern, stolz auf seinen Hufen, wenn reiche Männer zu Pferd darüber sprechen, und den Rastlosen stets ein Trost.
Moderne Deutung: Partnerschaft, Treue, Teamarbeit, Fortschritt und Bewegung. Umgekehrt muss sie nicht negativ sein: Sie kann einfach bedeuten, dass eine Veränderung nötig ist, etwa ein anderer Lebensstil.
20. Mannaz ᛗ (Aussprache: Man-nas)
Name und Laut: die „m“-Rune. Rekonstruierter Name mannaz, „Mann, Mensch“ (altnordisch maðr, altenglisch mann).
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht sagt, der Mensch in seiner Freude sei seinem Verwandten lieb, doch jeder müsse den anderen im Stich lassen, denn der Herr werde das arme Fleisch der Erde zurückgeben. Das norwegische Gedicht nennt den Menschen eine Mehrung des Staubes und fügt hinzu, dass der Griff des Habichts groß sei; das isländische nennt den Menschen die Freude des Menschen, eine Mehrung der Erde und den Schmücker der Schiffe.
Moderne Deutung: Menschsein und Selbsterkenntnis: der Verstand, die Vernunft, Traditionen und Bräuche und das, was alle Menschen trotz ihrer Unterschiede teilen. Umgekehrt steht sie für eine Tiefphase und das Bedürfnis, dich von anderen zurückzuziehen.
21. Laguz ᛚ (Aussprache: La-gus)
Name und Laut: die „l“-Rune. Rekonstruierter Name laguz, „Wasser, See“ (altnordisch lögr, altenglisch lagu).
In den Runengedichten: Das altenglische Gedicht sagt, das Meer erscheine den Männern endlos, die sich auf einem schwankenden Schiff hinauswagen müssen, wenn die Wellen sie in Schrecken versetzen und das Meeresross nicht auf seinen Zügel hört. Das norwegische Gedicht nennt es das Wasser, das als Wasserfall vom Berg stürzt; das isländische nennt es quellendes Wasser, einen weiten Kessel und das Land der Fische.
Moderne Deutung: Wasserströmungen, Intuition und Reinigung sowie die Aufforderung, deinen Instinkten zu folgen. Umgekehrt steht sie für eine Pattsituation und fehlende Kreativität.
22. Ingwaz ᛜ (Aussprache: Ing-was)
Name und Laut: die „ŋ“-Rune, der „ng“-Laut wie in „singen“. Rekonstruierter Name ingwaz, nach Ing, einem Gott oder Helden (altenglisch Ing). Nur das altenglische Gedicht hat sie.
In den Runengedichten: Ing wurde zuerst bei den Ostdänen gesehen, bis er später über die Wogen zurückzog, und sein Wagen rollte hinter ihm her; so nannten die Heardingas den Helden. Oft wird er mit Yngvi-Freyr verbunden, dem nordischen Gott der Fruchtbarkeit.
Moderne Deutung: Fruchtbarkeit, Glück, inneres Wachstum und der richtige Zeitpunkt, die Energie, die man braucht, um ein geschäftliches, kreatives oder anderes Vorhaben abzuschließen. Moderne Bücher verbinden sie außerdem mit männlicher Sexualität. Moderne Deutungen geben ihr keine umgekehrte Form.
23. Dagaz ᛞ (Aussprache: Da-gas)
Name und Laut: die „d“-Rune. Rekonstruierter Name dagaz, „Tag“ (altenglisch dæg). Die ältesten vollständigen Reihen sind sich bei den letzten beiden Runen uneinig: Der Kylver-Stein endet mit Dagaz und dann Othala, der Brakteat von Vadstena mit Othala und dann Dagaz.
In den Runengedichten: Nur das altenglische Gedicht: Der Tag ist der Bote des Herrn, den Menschen lieb, das herrliche Licht des Schöpfers, eine Freude und Hoffnung für Arm und Reich, allen nützlich.
Moderne Deutung: in modernen Büchern „Rune der Morgendämmerung“ genannt: Hoffnung, der Weg aus der Dunkelheit, radikaler Wandel und Selbstverwandlung. Mit starkem Willen, so die Deutung, lässt sich selbst Dunkelheit in Licht verwandeln. Moderne Deutungen geben ihr keine umgekehrte Form.
24. Othala ᛟ (Aussprache: O-tha-la)

Name und Laut: die „o“-Rune. Rekonstruierter Name ōþila, auch Othala oder Othila geschrieben, „ererbtes Land, Stammgut“ (altenglisch ēþel). Nur das altenglische Gedicht hat sie.
In den Runengedichten: Ein Erbgut ist jedem Menschen sehr lieb, wenn er dort in seinem Haus in beständigem Wohlstand genießen kann, was recht und angemessen ist.
Moderne Deutung: das Erbe der Ahnen und geistige Kraft, die Verbindung zu den Vorfahren und der Rückhalt der Familie bei Lebensentscheidungen. Umgekehrt steht sie für belastete Familienbeziehungen.
Runen Bedeutung: unser Fazit zum Älteren Futhark
Liebe Wikingerfreunde, wir sind am Ende unserer Geschichte über die Bedeutung der Runen des Älteren Futhark angekommen. Wie schon erwähnt, ist das ein recht komplexes Thema, das wir so einfach wie möglich zu erklären versucht haben.
Wir hoffen, dass du jetzt ein klareres Bild davon hast, was jede Rune des Älteren Futhark in den Runengedichten bedeutete und wie sie heute gedeutet wird, aufrecht und umgekehrt. Denk daran, dass die Wikinger selbst mit dem Jüngeren Futhark aus 16 Runen schrieben, auf Gedenksteinen, Werkzeugen, Schmuck und Holzstäben.
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Möge der Allvater dich bis zu unserem nächsten Treffen beschützen,
Skål!
Häufige Fragen zu den Runen des Älteren Futhark
Was ist das Ältere Futhark?
Das Ältere Futhark ist das älteste Runenalphabet: 24 Runen, die von etwa 150 bis 800 n. Chr. von germanischen Völkern verwendet wurden, darunter die Vorfahren der Nordmänner. Sein Name kommt von den Lauten seiner ersten sechs Runen, f, u, th, a, r und k: Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho und Kenaz. In der Wikingerzeit schrieben die Skandinavier stattdessen mit dem Jüngeren Futhark aus 16 Runen.
Wie viele Runen hat das Ältere Futhark?
Vierundzwanzig, angeordnet in drei Reihen zu je acht, den ættir. Diese Einteilung ist schon auf schwedischen Goldbrakteaten aus der Zeit um das 6. Jahrhundert markiert. Die spätere isländische Überlieferung benannte die drei Gruppen des Jüngeren Futhark mit 16 Runen als Freyrs, Hagalls und Týrs ætt, und diese Namen werden heute auch für diese Reihen verwendet; die Zuordnung jeder Reihe zu Göttern wie Freyr und Freyja, Heimdall und Tyr ist ein moderner Brauch.
Woher kommt die Bedeutung der Runen des Älteren Futhark?
Jede Rune hatte einen Namen, der ein gewöhnliches Wort war, etwa Fehu, „Vieh“ oder Wohlstand, Hagalaz, „Hagel“, und Tiwaz, der Gott Týr. Eine zeitgenössische Liste der Runennamen des Älteren Futhark ist nicht erhalten; sie werden aus drei mittelalterlichen Runengedichten rekonstruiert, dem altenglischen, dem norwegischen und dem isländischen. Die aufrechten und umgekehrten Bedeutungen, die heute beim Runenlegen verwendet werden, stammen aus der modernen Wahrsagerei.
Was bedeutet es, wenn eine Rune umgekehrt liegt?
Beim modernen Runenorakel wird eine Rune, die kopfüber oder gespiegelt gezogen wird (merkstave), mit abgeschwächter oder gegenteiliger Bedeutung gelesen. Diese Praxis stammt aus dem 20. Jahrhundert und wurde 1982 durch Ralph Blums Buch The Book of Runes populär; keine Quelle aus der Wikingerzeit beschreibt umgekehrte Deutungen. Runen, die in beiden Richtungen gleich aussehen, etwa Gebo, Hagalaz, Isa, Jera, Eihwaz, Sowilo, Ingwaz und Dagaz, erhalten keine umgekehrte Form.
Wofür wurden Runen verwendet?
Sie waren Buchstaben, mit denen man mehrere germanische Sprachen schrieb: Namen, Gedenkinschriften, Hersteller- und Besitzerzeichen und Botschaften, geritzt in Stein, Holz, Knochen und Metall. Einige Inschriften und eddische Gedichte nutzen Runen auch als Zauber, für Sieg, Heilung oder sichere Seefahrt. Die Vorstellung, dass jede Rune für eine kosmische Kraft steht, ist modern.
Wie schreibe ich meinen Namen im Älteren Futhark?
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Jede Rune im Detail. Alle 24 Leitfäden in der Reihenfolge des Älteren Futhark, gegliedert in die drei ættir:
Freyrs ætt: Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho, Kenaz, Gebo, Wunjo.
Hagalls ætt: Hagalaz, Nauthiz, Isa, Jera, Eihwaz, Perthro, Algiz, Sowilo.
Týrs ætt: Tiwaz, Berkano, Ehwaz, Mannaz, Laguz, Ingwaz, Othala, Dagaz.
Siehe auch den vollständigen Leitfaden zu den Wikinger-Runen oder schreib deinen Namen in Runen mit unserem kostenlosen Übersetzer.