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Illustriertes Nachschlagewerk

Wikingeraxt-Arten: Der illustrierte Leitfaden

Ein seriöser, quellengestützter Leitfaden zu den Äxten der Wikingerzeit (793–1066): ihre Kopfformen, Epochen und Verwendung, die Petersen-Typologie, echte Museumsfunde und die Frage, wo die Geschichte von der Fantasy abweicht.

Ein kostenloses Nachschlagewerk für Schüler, Lehrkräfte & Reenactors · Aktualisiert November 2026

Eine Wikingeraxt war zuerst ein Werkzeug, billig herzustellen und in jedem Haushalt zu finden, und erst in zweiter Linie eine Waffe. Weil Eisen erschwinglich war, ein Schwert dagegen ein teures Statusobjekt, wurde die Axt zu einer der häufigsten Waffen der Wikingerzeit (793–1066) und kam in den Gräbern von Kriegern wie von einfachen Leuten vor. Dieser Leitfaden zeigt die echten Kopfformen, die wissenschaftliche Standardtypologie, datierte Museumsfunde und die Stellen, an denen Geschichte und Fantasy auseinandergehen.

Aufbau einer Wikingeraxt

Jede Wikingeraxt besteht aus zwei Teilen: einem eisernen Kopf und einem hölzernen Schaft. Die Schmiede fertigten Körper und Öhr aus zähem, stoßdämpfendem Schmiedeeisen und schweißten im Feuer einen Streifen härteren, kohlenstoffreichen Stahls an die Schneide. So behielt das Werkzeug eine scharfe Schneide, ohne ganz aus knappem, teurem Stahl zu bestehen. Die Schäfte wurden aus Hartholz geschnitten, meist Esche, manchmal Eiche, bei einhändigen Äxten typischerweise etwa 70–90 cm lang, bei zweihändigen länger.

Beschriftetes Aufbaudiagramm einer wikingerzeitlichen Bartaxt mit Öhr, Nacken, Spitze, Schneide, Wange, Ferse, Bart und Schaft
Die Teile einer Axt. Dargestellt ist eine Bartaxt (skeggøx). Illustration · VikingsBrand.

Die drei Familien

Unabhängig von den wissenschaftlichen Typenbuchstaben lassen sich Wikingeräxte praktisch in drei Familien einteilen: die leichte Nutzaxt / das Handbeil, das Alltagsarbeit verrichtete und im Ernstfall kämpfte; die Bartaxt (skeggøx), deren verlängerte Unterkante sie zu einem vielseitigen Werkzeug und einer Waffe in einem machte; und die breite, dünne, zweihändige Breitaxt (breiðøx), die eigens für den Krieg gebaute Streitaxt, besser bekannt als „Dänenaxt“.

Illustration eines kleinen wikingerzeitlichen Nutzbeil-Kopfes auf kurzem Schaft

Nutzaxt / Handbeil

Kompakter, symmetrischer Kopf mit leicht gebogener Schneide. Die alltägliche Holzaxt, die im Notfall auch kämpfen konnte.

Während der gesamten Wikingerzeit
Illustration einer wikingerzeitlichen Bartaxt (skeggøx), deren Unterkante zu einem langen Bart ausgezogen ist

Bartaxt · skeggøx

Die Unterkante ist unter die Schaftlinie zu einem „Bart“ ausgezogen und bringt mehr Schneide ohne zusätzliches Gewicht. Werkzeug und Waffe.

Früh · 8.–9. Jh.
Illustration einer großen, zweihändigen wikingerzeitlichen Breitaxt oder Dänenaxt mit weit ausschwingender Schneide

Breitaxt · breiðøx

Breite, dünne, halbmondförmig ausschwingende Schneide auf langem Zweihandschaft. Die Dänenaxt der Elite auf dem Schlachtfeld.

Spät · Blütezeit im 11. Jh.

Die drei Tafeln oben sind Originalillustrationen. Fotos erhaltener Stücke findest du unter Museumsstücke.

Die Petersen-Typologie (A–M)

Das maßgebliche wissenschaftliche Ordnungssystem für Wikingeräxte stammt vom norwegischen Archäologen Jan Petersen. In seiner Studie De norske vikingesverd von 1919 ordnete er die Axtköpfe in eine Buchstabenreihe, die üblicherweise mit zwölf Typen angegeben wird (A bis M, ohne J). Spätere skandinavische und baltische Forscher haben sie verfeinert, aber nie ersetzt. Die Tabelle fasst die Buchstaben nach Familien zusammen. Da die meisten Schäfte verloren und Eisen korrodiert ist, sind die Datierungen ungefähr und nur auf Jahrhundertebene angegeben.

TypenFamilieUngefährer ZeitraumKopfformRolle
A–BFrüh / Werkzeug8.–9. Jh.Klein, leicht, ziemlich symmetrisch; niedrige Zipfel; Schneide oft nur 7–15 cm.Nutzaxt für die Holzarbeit; im Notfall im Nahkampf.
B–EBartaxt · skeggøx8.–9. Jh.Untere hintere Ecke zu einem „Bart“ unter der Schaftlinie ausgezogen; gebogene Schneide (am stärksten bei Typ C).Werkzeug und einhändige Waffe in einem.
F–KÜbergangsformen9.–10. Jh.Unterschiedliche Zipfel und Hälse; meist schlanke, einhändige Handbeilformen (Hinweis: es gibt keinen Typ J).Waffen- & Nutzbeile.
LBreit · breiðøxca. 10.–11. Jh.Schmalere Breitaxt; lange, leicht gebogene Schneide, Spitze oft nach vorn geschwungen; abgestumpfte Zipfel.Eigens für den Krieg gefertigte Streitaxt.
MBreit · breiðøxca. 950 → Blütezeit im 11. Jh.Klassische „Dänenaxt“: breite, symmetrische, sehr dünne, halbmondförmig ausschwingende Schneide (ca. 2–5 mm dick) mit Fortsätzen am Öhr.Zweihändige Waffe für das Schlachtfeld.

Gliederung nach Jan Petersen, De norske vikingesverd (1919); Gruppierung und Datierung folgen späteren Zusammenfassungen der Museumsforschung. Die feinen Datierungsspannen je Typ unterscheiden sich von Autor zu Autor.

Epochen & Verwendung

Während der gesamten Wikingerzeit blieb die Axt eng mit ihren bäuerlichen Wurzeln verbunden. Das Nationalmuseum Dänemarks hält fest, dass „die Schwerter der Wikingerzeit nur wenigen vorbehalten waren, viele Wikinger aber Äxte besaßen“, und dass sich oft „schwer sagen lässt, ob eine Axt als Waffe oder als Werkzeug diente“. Frühe Köpfe waren klein und leicht; im 10. und 11. Jahrhundert entstand eine eigene Klasse großer, langschaftiger Streitäxte.

Diese zweihändige Breitaxt, die Dänenaxt, wurde zur typischen Waffe der Elite-Leibgarden: der Huscarls im angelsächsischen England und der Warägergarde von Byzanz. Sie ist eine der auffälligsten Waffen auf dem Teppich von Bayeux (gestickt in den 1070er Jahren), geführt von den gepanzerten Axtkämpfern um König Harold bei Hastings 1066.

Szene aus dem Teppich von Bayeux: Krieger schwingen in der Schlacht von Hastings lange zweihändige Dänenäxte
Zweihändige Dänenäxte bei Hastings, 1066. Teppich von Bayeux, Szene 52. Teppich von Bayeux (11. Jahrhundert), Public Domain, über Wikimedia Commons.
Wurden Äxte geworfen? Von Wikingern selten, wenn überhaupt. Die eigens dafür geschaffene Wurfaxt des frühen Mittelalters ist die fränkische Francisca (ca. 500–750), eine merowingische Waffe, die älter ist als die Wikingerzeit. Eine wertvolle Axt wirft man mitten im Kampf nicht freiwillig weg; das nordische Axtwerfen ist eher als Geschicklichkeitsvorführung zu verstehen denn als Schlachtfeldtaktik.

Wie trugen Wikinger ihre Äxte?

In der Hand, am Gürtel oder an einer Schlaufe hängend, aber nicht auf dem Rücken. Eine einhändige nordische Axt war leicht genug, um den ganzen Tag durch den Gürtel gesteckt oder an einem Lederriemen durch das Öhr des Kopfes getragen zu werden; auf dem Marsch oder im Kampf hielt man sie einfach in der Hand. Für die Axt auf dem Rücken oder die Scheide über der Schulter, die man aus Film und Spielen so gut kennt, gibt es weder einen archäologischen Fund noch eine schriftliche Quelle, und das aus gutem Grund: Eine langschaftige Axt, quer über den Rücken geschnallt, lässt sich nur langsam und umständlich ziehen.

Weil dieselbe Axt morgens Brennholz spaltete und abends den Hof verteidigen konnte, blieb sie griffbereit, statt weggepackt zu werden. Wohlhabendere Krieger trugen zusätzlich ein Schwert an der Hüfte, aber die Axt war das Werkzeug und die Waffe, die fast jeder tatsächlich besaß.

Die Axt auf dem Rücken ist eine moderne Erfindung. Über die Schulter zu greifen, um eine Zweihandaxt zu ziehen, ist unbeholfen und langsam. Das Tragen in der Wikingerzeit war praktisch: Gürtel, Schlaufe oder Hand. Der Look mit der Axt auf dem Rücken stammt aus Fernsehen, Film und Videospielen, nicht aus den Quellen.

Museumsstücke

Eine Handvoll erhaltener Äxte bildet den Kern des ganzen Themas. Zwei sind Prestigestücke mit belegbarer Datierung, die übrigen zeigen die schlichte, zweckmäßige Wirklichkeit, dazu ein spätes, verziertes Beispiel, das die Ausnahme von der Regel ist.

Zeichnung des vollständigen silbertauschierten Mammen-Axtkopfes mit seiner Tierornamentik im Mammen-Stil

Die Mammen-Axt

Nationalmuseum Dänemark · ca. 970

Ein Eisenkopf mit Silbereinlagen in dem Stil, dem er seinen Namen gab. Aus dem reichen Kammergrab von Bjerringhøj bei Mammen in Jütland. Die Dendrochronologie datiert die Bestattung auf den Winter 970–971. Die Prunkaxt eines Großen, kein Werkzeug fürs Schlachtfeld.

Zeichnung: Stefan Bollmann, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons. Fundstück: Nationalmuseet, Dänemark.

Erhaltener skandinavischer Eisen-Axtkopf, 11.–12. Jahrhundert

Ein erhaltener Axtkopf

The Met, New York · 11.–12. Jh.

Ein echter skandinavischer Eisen-Axtkopf. Jahrhunderte der Korrosion haben ihn ausgedünnt, doch die einschneidige Form und das schlanke Profil sind unverkennbar und haben nichts mit den dicken Klötzen der Fantasy-Kunst zu tun.

Ax Head, Scandinavian, 11th–12th century. The Metropolitan Museum of Art (Open Access / CC0).

Wikingerzeitliches Waffengrab-Ensemble mit Axt, Schwert, Speer und Pfeilen

Eine Axt in ihrem Grab

Museum für Kulturgeschichte, Oslo · spätes 10. Jh.

Das Waffengrab von Nordre Kjølen in Solør, Norwegen: Schwert, Speer, Pfeile und ein eiserner Axtkopf, gemeinsam bestattet. Äxte kommen in Gräbern weit häufiger vor als Schwerter, und genau deshalb stehen sie für das Zeitalter.

Foto: Wolfmann, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons. Fundstücke: Museum für Kulturgeschichte, Oslo.

Verzierte, silbertauschierte Eisenaxt, 11.–13. Jahrhundert

Eine verzierte späte Axt

Landesmuseum Schwerin · 11.–13. Jh.

Eine dekorierte, eingelegte Eisenaxt aus der späten Wikingerzeit bzw. dem frühmittelalterlichen Ostseeraum. Verzierte Stücke gibt es, doch selbst hier ist die zugrunde liegende Form eine normale, zweckmäßige Axt; nur die Verzierung ist außergewöhnlich.

Foto: Wolfgang Sauber, CC BY-SA 4.0, über Wikimedia Commons. Archäologisches Landesmuseum Schwerin.

Die Breitaxt von Langeid (Museum für Kulturgeschichte, Oslo; Inv.-Nr. C58882/4) verdient eine eigene Erwähnung: eine zweihändige Streitaxt aus Setesdal in Norwegen, datiert auf das frühe 11. Jahrhundert, mit einer Schneide von knapp über 25 cm und einem seltenen Messingband um den Holzschaft. Die Korrosionsprodukte des Messings haben einen Stumpf des ursprünglichen Schafts erhalten. Sie ist das deutlichste erhaltene Beispiel einer allein für den Kampf gebauten wikingerzeitlichen Streitaxt.

Wo sie gefunden wurden

Die wichtigsten Axtfunde stammen aus dem wikingerzeitlichen Skandinavien (Norwegen, Dänemark und Schweden); die zweihändige Streitaxt gelangte auch ins angelsächsisch-nordische England. Die Karte unten zeigt die in diesem Leitfaden genannten Orte.

Schematische Karte Skandinaviens mit Fundorten wikingerzeitlicher Äxte: Gjermundbu, Langeid, Mammen, Over Hornbæk, Trelleborg, Birka und Hastings
Ausgewählte Axtfunde & Fundorte. Ungefähre Lage im wikingerzeitlichen Skandinavien. Basiskarte © NordNordWest, CC BY-SA 3.0, über Wikimedia Commons.

Geschichte oder Fantasy

Ein Großteil des populären Bildes von der Wikingeraxt wurde lange nach der Wikingerzeit erfunden. Hier steht, was die Belege tatsächlich hergeben.

Der Mythos

Wikinger schwangen doppelschneidige „Streitäxte“.

Die Belege

Echte Wikingeräxte waren einschneidig. Kein erhaltenes Stück, kein Bild und kein Text belegt eine doppelschneidige Wikingeraxt. Die doppelschneidige Axt ist ein nordamerikanisches Forstwerkzeug des 19. Jahrhunderts, das die Fantasy-Kunst später übernahm.

Der Mythos

Krieger mit Axt trugen Hörnerhelme.

Die Belege

Nie wurde ein wikingerzeitlicher Hörnerhelm ausgegraben. Das Bild wurde durch die Kostümentwürfe zu Wagners Ring-Zyklus 1876 populär. Echte Helme waren schlichte Eisenkappen, wie der Helm von Gjermundbu.

Der Mythos

Wikingeräxte waren riesige, schwere Hackbeile.

Die Belege

Sie waren leicht. Handbeilköpfe wogen einige hundert Gramm bis etwa ein Kilogramm (die Breitaxt von Langeid ca. 800 g); selbst eine große zweihändige Dänenaxt wog nur etwa 1–2 kg, weil die Schneide dünn war. Die Wucht kam aus Balance und langem Schaft, nicht aus Masse.

Der Mythos

Die Francisca ist eine Wurfaxt der Wikinger.

Die Belege

Die Francisca ist fränkisch, typisch für die Merowingerzeit (ca. 500–750) und von Autoren wie Prokop und Isidor von Sevilla beschrieben, Generationen vor der Wikingerzeit. Sie gehört zur fränkischen, nicht zur nordischen Sachkultur.

Äxte in nordischem Mythos und Sage

Die Axt war weit mehr eine reale Waffe als eine mythologische. In den überlieferten nordischen Mythen gehören die großen Waffen den Göttern, nur in anderer Form: Thor führt den Hammer Mjölnir, Odin den Speer Gungnir. Kein bedeutender nordischer Gott ist ein Axtgott, und Thor trägt in den Edden keine Axt, auch wenn in der Wikingerzeit kleine axtförmige Amulette neben Thorshammer-Anhängern getragen wurden und manche Forscher beides mit dem Kult des Donnergottes verbinden.

Die Leviathan-Axt, die viele heute mit der nordischen Mythologie verbinden, stammt überhaupt nicht aus den Mythen. Sie wurde für das Videospiel God of War von 2018 und dessen Fortsetzung geschaffen, ein modernes Design mit nordischen Motiven und weder ein Artefakt noch eine Geschichte aus den mittelalterlichen Quellen.

Hatten Wikingeräxte Namen?

Meistens nicht. Anders als begehrte Schwerter, die oft Namen trugen (altnordische Helden führen Klingen wie Fótbítr, „Beinbeißer“), waren Alltagsäxte Arbeitsgeräte und wurden selten mit einem Namen hervorgehoben. Die deutlichste Ausnahme ist königlich: Die Sagatradition berichtet, dass König Magnus der Gute eine große Axt namens Hel trug, benannt nach der Göttin der Toten und angeblich im Besitz seines Vaters, des heiligen Olaf. Benannte Äxte sind die seltene Ausnahme, nicht die Regel.

Wikingeraxt-Tattoos und ihre Bedeutung

Als Tattoo ist die Wikingeraxt ein modernes Emblem, kein belegtes antikes Motiv. Für Träger heute steht sie meist für Stärke, Selbstständigkeit und nordisches Erbe: Die Axt war das Werkzeug und die Waffe des einfachen freien Menschen und gilt deshalb als Symbol des arbeitenden Kriegers, nicht der Könige. Oft wird sie mit Runen, einem Vegvísir, einem Wolf oder einem bärtigen Profil kombiniert.

Ein ehrlicher Hinweis zur Geschichte: Es gibt keinen Beleg dafür, dass Menschen der Wikingerzeit Äxte auf die Haut tätowierten. Der einzige beinahe zeitgenössische Bericht, die Beschreibung der Rus im frühen 10. Jahrhundert durch den arabischen Reisenden Ibn Fadlan, erwähnt dunkle Bäume, Figuren und Ähnliches „von den Fingernägeln bis zum Hals“, aber keine Äxte. Ein Wikingeraxt-Tattoo ist heute eine zeitgenössische Hommage an die Kultur und keine Kopie eines bekannten Originals.

Trage die Tradition weiter

Unsere Wikingeräxte orientieren sich an diesen historischen Formen, der Bartaxt (skeggøx) und der breiten Dänenaxt, als funktionale Stücke und Schauwaffen. Entdecke die Kollektion oder lies mehr über die beiden großen Kampfformen.

Mehr zu Wikingeräxten

Häufig gestellte Fragen

Welche Haupttypen von Wikingeräxten gab es?

Zwei Formen sind am wichtigsten: die Bartaxt (skeggøx), ein frühes Mehrzweckgerät, Werkzeug und einhändige Waffe zugleich, deren Unterkante zu einem „Bart“ ausgezogen ist, und die breite zweihändige Breitaxt (breiðøx), die eigens gebaute „Dänenaxt“. Beide gehören zu Jan Petersens Typologie von 1919, die von Typ A bis M reicht.

Benutzten Wikinger doppelschneidige Äxte?

Nein. Jede erhaltene Wikingeraxt ist einschneidig. Es gibt keinen archäologischen, bildlichen oder schriftlichen Beleg für eine doppelschneidige Wikingeraxt. Die doppelschneidige Axt ist ein modernes Forstwerkzeug, das später von Fantasy-Kunst und Film übernommen wurde, keine historische nordische Waffe.

Wie schwer war eine Wikingeraxt?

Viel leichter, als die meisten denken. Einhändige Axtköpfe wogen einige hundert Gramm bis etwa 1 kg, und selbst die große zweihändige Dänenaxt wog nur etwa 1–2 kg, weil ihr Blatt dünn war, oft nur 2–5 mm an der Schneide. Die Schlagkraft kam aus Balance und Schaftlänge, nicht aus Gewicht.

Was ist eine Bartaxt?

Eine Bartaxt oder skeggøx hat ihre untere hintere Kante nach unten zu einem hakenartigen „Bart“ unter der Schaftlinie ausgezogen. Das bringt mehr Schneide ohne zusätzliches Gewicht und erlaubt es, die Hand dicht hinter dem Blatt zu greifen. Sie taucht früh auf (8.–9. Jahrhundert) und diente als Werkzeug zur Holzbearbeitung und als Waffe.

Ist die Francisca eine Wikingeraxt?

Nein. Die Francisca ist eine Wurfaxt der Franken, typisch für die Merowingerzeit (etwa 500–750 n. Chr.), bevor die Wikingerzeit 793 begann. Sie wird oft mit Wikingeräxten verwechselt, gehört aber zur fränkischen, nicht zur nordischen Kultur.

Wo kann ich eine echte Wikingeraxt sehen?

Das Nationalmuseum Dänemarks besitzt die silbereingelegte Mammen-Axt; das Museum für Kulturgeschichte in Oslo die Breitaxt von Langeid und das Grab von Gjermundbu; und Museen wie das Schwedische Historische Museum und das Metropolitan Museum of Art zeigen erhaltene Axtköpfe. Viele Sammlungen veröffentlichen frei lizenzierte Fotos online.

Trugen Wikinger ihre Äxte auf dem Rücken?

Nein. Wikingeräxte trug man in der Hand, durch den Gürtel gesteckt oder an einem Riemen hängend, der durch das Öhr des Kopfes lief. Die Axt auf dem Rücken und die Scheide über der Schulter sind Konventionen aus Film und Videospielen, ohne Beleg in der Archäologie oder in den schriftlichen Quellen.

Hat Thor in der nordischen Mythologie eine Axt?

Nein. Thors Waffe ist der Hammer Mjölnir, Odins der Speer Gungnir; kein bedeutender nordischer Gott führt eine Axt. Die „Leviathan-Axt“, die oft mit dem nordischen Mythos in Verbindung gebracht wird, wurde 2018 für das Videospiel God of War geschaffen und kommt in den mittelalterlichen Quellen nicht vor.

Hatten Wikingeräxte Namen?

Selten. Begehrte Schwerter trugen oft Namen, Alltagsäxte dagegen waren Arbeitsgeräte und blieben meist namenlos. Die bekannteste Ausnahme ist die Axt namens Hel, die König Magnus der Gute trug und die angeblich seinem Vater, dem heiligen Olaf, gehört hatte.

Was bedeutet ein Wikingeraxt-Tattoo?

Heute steht ein Wikingeraxt-Tattoo meist für Stärke, Selbstständigkeit und nordisches Erbe, denn die Axt war das Werkzeug und die Waffe des einfachen freien Menschen. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Menschen der Wikingerzeit selbst Äxte tätowierten, also ist es eine moderne Hommage und kein historisches Motiv.

Woran erkennt man, ob eine Nachbildung einer Wikingeraxt historisch korrekt ist?

Prüfe sie anhand der Archäologie auf dieser Seite: Eine plausible Nachbildung ist einschneidig, hat einen leichten, dünnen Kopf (einige hundert Gramm bis etwa 1 kg bei einer Einhandaxt, mit nur wenigen Millimetern Dicke an der Schneide), entspricht einer der Petersen-Typenformen A–M und sitzt auf einem schlichten Schaft aus Esche oder Eiche. Warnsignale sind doppelte Schneiden, Dornen, schwere „Hackbeil“-Köpfe über 1,5 kg auf kurzen Schäften und Fantasy-Gravuren, die als historisch ausgegeben werden.

Was ist der Unterschied zwischen einer geschärften und einer stumpfen Reenactment-Axt?

Eine geschärfte (funktionale) Axt hat eine echte Schneide und ist zum Schneiden, für Lagerarbeiten oder zur Dekoration gedacht. Eine stumpfe Reenactment-Axt hat eine absichtlich auf einige Millimeter abgerundete Schneide, damit sie im choreografierten Kampf eingesetzt werden kann; die meisten Reenactment-Vereine verlangen stumpfe Schneiden und kontrollieren die Waffen vor einer Vorführung. Die Kopfformen können identisch sein; der Unterschied liegt nur in der Schneide.

Wie pflegt man einen Axtkopf aus Kohlenstoffstahl?

Halte ihn trocken und leicht geölt: Wische den Kopf nach der Benutzung ab, trage vor der Lagerung einen dünnen Ölfilm auf und behandle Rostflecken früh mit feiner Stahlwolle und Öl. Lagere ihn nicht in feuchter Luft und nie dauerhaft in einer Lederhülle, die Feuchtigkeit einschließt. Unser ausführlicher Leitfaden zur Wikingeraxt-Pflege (englisch) erklärt Schneide, Schaft und Lederpflege Schritt für Schritt.

Woraus bestanden die Schäfte von Wikingeräxten?

Die Schäfte wurden aus zähem Hartholz geschnitten, meist Esche, manchmal Eiche, aus denselben Hölzern wie Speere und Schiffsteile. Eine einhändige Axt hatte einen Schaft von etwa 70–90 cm, zweihändige Breitäxte waren länger. Originalschäfte sind selten erhalten, daher werden die Längen aus Grabfunden und zeitgenössischen Bildern rekonstruiert.

Gibt es rechtliche Einschränkungen für den Besitz einer Wikingeraxt-Nachbildung?

In den meisten Ländern ist der Besitz einer Nachbildung als Werkzeug oder Sammlerstück legal, aber die Regeln zum Mitführen einer Klinge in der Öffentlichkeit, zum Transport und zum Mindestalter für den Kauf unterscheiden sich nach Land, Bundesland und sogar Stadt. Behandle eine Axt wie jedes andere Werkzeug mit Schneide: Verpacke sie auf dem Transport sicher und prüfe vor dem Kauf oder einer Reise mit ihr die örtlichen Vorschriften. Dies ist eine allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. Jan Petersen, De norske vikingesverd (Kristiania, 1919): die grundlegende Axttypologie.
  2. Nationalmuseum Dänemark: Äxte und das Mammen-Grab (englisch).
  3. Museum für Kulturgeschichte, Oslo: Die Breitaxt von Langeid (englisch).
  4. Hurstwic (W. R. Short) zur Herstellung von Wikingeräxten; Regia Anglorum zu Waffen und Rüstung; English Heritage zur Bewaffnung von 1066.

Die Bilder sind offen lizenziert (Public Domain / CC0 / CC BY-SA), die Quellenangabe steht bei jeder Abbildung. Die Typenillustrationen, das Aufbaudiagramm und die Karte sind originale VikingsBrand-Grafiken.

Du willst die Orte hinter den Waffen sehen? Die Schlachtfelder, Ringburgen und Grabstätten in diesem Leitfaden, Mammen, Langeid, Stamford Bridge, sind alle auf unserer interaktiven Wikinger-Weltkarte eingezeichnet, jeweils mit eigener, belegter Geschichte (englisch).