Wikinger-Runen und nordische Runen: Das Runenalphabet erklärt
Wikinger-Runen sind die Buchstaben der Runenalphabete, der sogenannten Futharks, die die Nordleute und andere germanische Völker vom 2. Jahrhundert n. Chr. bis ins Mittelalter einritzten. Das Ältere Futhark umfasste 24 Runen; die Wikinger selbst schrieben mit dem Jüngeren Futhark aus nur 16 Zeichen. Jede Rune stand für einen Laut und trug einen Namen, der zugleich ein Wort war, etwa Fehu, „Vieh“ und damit Wohlstand.
Ein drittes System, das angelsächsische Futhorc mit bis zu 33 Runen, war im frühmittelalterlichen England in Gebrauch. Die Wikinger ritzten Runen in Stein, Holz, Knochen und Metall, um Namen festzuhalten, an Verstorbene zu erinnern und Botschaften zu übermitteln, manchmal auch für Zauber und Flüche.
Dieser Leitfaden erklärt, woher die Runen stammen, was die drei Futharks sind, was die bekanntesten Runen bedeuten und wie Odin der berühmten Sage nach die Runen errang. Willst du zuerst deinen eigenen Namen in Runen sehen? Mit unserem kostenlosen Runen-Übersetzer schreibst du jedes Wort im Älteren, im Jüngeren oder im angelsächsischen Runenalphabet. Und merk dir den Unterschied: Runen sind ein Alphabet, die Sprache, die damit geschrieben wurde, war Altnordisch. Unser Altnordisch-Übersetzer findet die Wörter, die die Wikinger tatsächlich benutzten, geprüft an Zoëgas Wörterbuch und gleich mit Runen.
Was sind Wikinger-Runen?
Wikinger-Runen sind die Zeichen einer Schrift namens Futhark, benannt nach den Lautwerten ihrer ersten sechs Runen: F, U, Þ (th), A, R und K. Bevor das lateinische Alphabet den Norden erreichte, schrieben germanische Völker in vielen verwandten Sprachen mit Runen. Die Nordleute nutzten sie für praktische Aufzeichnungen wie Besitz und Handel, für Gedenksteine zu Ehren der Toten und für Zauber, die heilen, schützen oder verfluchen sollten.
Die nordische Kultur war weitgehend mündlich geprägt: Gedichte und Geschichten wurden vorgetragen und auswendig gelernt und erst später aufgeschrieben, in lateinischer Schrift und größtenteils im Island des 13. Jahrhunderts. Runen dienten für kürzere Inschriften: einen Namen, einen Anspruch, ein Gedenken, einen Zauber. Die meisten erhaltenen Runensteine stehen in Schweden, weitere in Norwegen und Dänemark, und Runengraffiti reisender Nordmänner hat man bis nach Orkney und Istanbul (Konstantinopel) gefunden. Beide Fundorte kannst du auf unserer interaktiven Wikinger-Weltkarte besuchen.
Fast alle Runensteine sind Gedenksteine aus der späten Wikingerzeit, errichtet im 10. und 11. Jahrhundert für einen verstorbenen Vater, Sohn, Bruder oder Ehemann. Zwei der berühmtesten sind der Rök-Stein in Östergötland, Schweden, der im frühen 9. Jahrhundert mit der längsten bekannten Runeninschrift auf einem Stein versehen wurde, und der größere Jelling-Stein in Dänemark. Diesen ließ König Harald Blauzahn um 965 für seine Eltern Gorm und Thyra errichten, und er verkündet, dass Harald ganz Dänemark und Norwegen gewann und die Dänen zu Christen machte.
Nordische Runen, Wikinger-Runen, Runenalphabet: Ist das dasselbe?
Größtenteils ja, und die verschiedenen Bezeichnungen sorgen für mehr Verwirrung als die Runen selbst. Sie meinen dieselben eingeritzten Buchstaben, nur aus leicht unterschiedlichem Blickwinkel.
- Nordische Runen und Wikinger-Runen. Dieselben Buchstaben. „Nordisch“ bezeichnet das Volk und seine Sprache, „Wikinger“ die Epoche und die Seefahrt, deshalb werden beide Begriffe für die Runen Skandinaviens gleichbedeutend verwendet.
- Runenalphabet, Runenschrift, Wikinger-Alphabet. Gemeint ist die Schrift als Ganzes, nicht ein einzelner Buchstabe. Genau genommen ist sie ein Futhark, benannt nach seinen ersten sechs Runen, und davon gibt es mehr als eines.
- Altnordische Runen. Die Runen, mit denen die altnordische Sprache geschrieben wurde. In der Praxis sind das das Jüngere Futhark der Wikingerzeit mit seinen 16 Runen und die mittelalterlichen Runen, die daraus hervorgingen.
- Skandinavische Runen und das nordische Alphabet. Unschärfere Begriffe, die meist ebenfalls das Jüngere Futhark meinen und nicht die ältere Reihe mit 24 Runen.
Wenn du also nach einem dieser Begriffe gesucht hast und hier gelandet bist, bist du richtig. Im nächsten Abschnitt stehen die drei Alphabete nebeneinander.
Handgemachte Runen des Älteren Futhark
Die drei Futharks: Älteres, Jüngeres und angelsächsisches
Es gibt drei große Runenalphabete. Ihre Formen überschneiden sich, doch sie unterscheiden sich in der Zahl der Runen sowie in Zeitraum und Gebiet ihrer Verwendung.
- Älteres Futhark, 24 Runen (um 150 bis 800 n. Chr.). Das älteste und vollständigste System, im gesamten germanischen Raum bis ins 8. Jahrhundert verwendet, als die Skandinavier es zum Jüngeren Futhark verkürzten. Es ist das Alphabet, das die meisten heute mit „Wikinger-Runen“ meinen, und die Grundlage der meisten Ratgeber zur Runenbedeutung. In Skandinavien war es jedoch schon weitgehend außer Gebrauch, bevor die Wikingerzeit begann.
- Jüngeres Futhark, 16 Runen (um 800 bis 1100 n. Chr.). Ein verkleinerter Zeichensatz, den die Skandinavier während der eigentlichen Wikingerzeit tatsächlich benutzten. Weniger Runen mussten mehr Laute abdecken, deshalb hatten mehrere Zeichen eine Doppelfunktion. Es gab zwei Hauptformen: die Langzweigrunen, verbreitet in Dänemark, und die schneller zu ritzenden Kurzzweigrunen, verbreitet in Schweden und Norwegen.
- Angelsächsisches Futhorc, bis zu 33 Runen (etwa 5. bis 11. Jahrhundert). In Gebrauch im frühmittelalterlichen England und in Friesland, wo das Alphabet nicht schrumpfte, sondern wuchs: Es kamen Runen für die Laute des Altenglischen hinzu.
Nach etwa 1100 entwickelte sich das Jüngere Futhark zu den mittelalterlichen Runen weiter, die punktierte Runen für zusätzliche Laute erhielten und neben dem lateinischen Alphabet verwendet wurden. Um 1300 schrieb ein Schreiber sogar das Schonische Recht in Runen nieder, in der Handschrift, die heute Codex Runicus heißt.
Jedes Alphabet ist nach seinen ersten sechs Runen benannt, genau so, wie das Wort „Alphabet“ von Alpha und Beta kommt. In unserem Runen-Übersetzer kannst du zwischen allen drei wechseln und sie direkt vergleichen.
Woher die Runen kamen
Der Ursprung der Runenschrift ist bis heute umstritten. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass die Runen aus einem altitalischen (norditalischen) Alphabet übernommen wurden, also aus der Schriftfamilie, die in Norditalien und den Alpen benutzt wurde, bevor sich das Lateinische durchsetzte, und dass Germanen, die mit Rom dienten oder Handel trieben, die Idee in den Norden trugen. Eine Minderheit vertritt einen direkteren lateinischen Ursprung. Klar ist: Die Formen eignen sich zum Ritzen. Sie bestehen überwiegend aus geraden Stäben und Schrägen mit wenigen Rundungen. Viele Forscher erklären das Fehlen waagerechter Striche mit der Maserung des Holzes, in der ein waagerechter Schnitt kaum zu sehen ist.
Der Kylver-Stein von Gotland in Schweden, datiert auf etwa 400 n. Chr., trägt die älteste bekannte Auflistung aller 24 Runen des Älteren Futhark, fast in der üblichen Reihenfolge. Die frühesten Inschriften sind noch älter: ein Kamm aus dem Moor von Vimose auf Fünen in Dänemark, um 160 n. Chr. mit dem Wort harja beschriftet, und eine Lanzenspitze aus Øvre Stabu in Norwegen mit der Inschrift raunijaR, „Erprober“, aus dem späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert.
Was Wikinger-Runen bedeuten
Jede Rune trug einen Namen, der zugleich ein Wort war. So hatte jede eine schlichte Bedeutung (Fehu heißt „Vieh“, Uruz „Auerochse“), lange bevor sie je zum Wahrsagen benutzt wurde. Eine zeitgenössische Liste der Namen des Älteren Futhark ist nicht erhalten: Die heute gebräuchlichen Namen sind aus drei mittelalterlichen Runengedichten erschlossen, dem altenglischen, dem altnorwegischen und dem altisländischen. Manche sind daher sicher, andere begründete Vermutungen. Die mystischen Deutungen unten stammen vor allem aus der modernen Runendeutung und nicht aus der Wikingerzeit selbst. Betrachte sie also als Tradition und Auslegung, nicht als Geschichte. Das moderne Runenwerfen beruft sich oft auf den römischen Geschichtsschreiber Tacitus (Germania, Kapitel 10), der beschreibt, wie Germanen den Zweig eines Obstbaums in Stäbchen schnitten, diese mit Zeichen versahen und drei davon deuteten. Er sagt aber nicht, dass diese Zeichen Runen waren, und keine nordische Quelle beschreibt ein solches Runenlesen. Die vollständige Liste der 24 Runen mit ihren Lautwerten findest du in unserem Leitfaden zur Bedeutung der Runen des Älteren Futhark. Hier sind zehn der bekanntesten Runen des Älteren Futhark.
Fehu (ᚠ), „Vieh“, Wohlstand
Fehu bedeutete wörtlich Vieh, der bewegliche Reichtum eines nordischen Haushalts. In modernen Deutungen steht die Rune für Wohlstand und verdienten Überfluss, verbunden mit der Mahnung, das bereits Errungene zu bewahren und zu mehren, statt es zu verschwenden.
Uruz (ᚢ), „Auerochse“, Stärke
Uruz wurde laut dem altenglischen Runengedicht nach dem Auerochsen benannt, dem Wildrind Europas. In den beiden nordischen Gedichten bedeutet ihr Name, úr, dagegen Nieselregen oder Schlacke. In modernen Deutungen spricht sie von roher Kraft und davon, einen Lebensabschnitt hinter sich zu lassen und in den nächsten zu gehen: das Ende eines alten Kapitels und der Beginn eines stärkeren.
Ansuz (ᚨ), „ein Gott“, Weisheit und das gesprochene Wort
Ansuz wird meist als „ein Gott“ erschlossen, also einer der Asen. Das altisländische Runengedicht verbindet die nordische Form óss mit Odin als Herrn von Asgard und Walhall, während das altnorwegische Gedicht óss als Flussmündung liest. In modernen Deutungen ist sie die Rune des gesprochenen Wortes, der Botschaften, der Einsicht und des heiligen Wissens, und sie rät zu Sorgfalt und Geduld bei dem, was du sagst.
Nauthiz (ᚾ), Not und Entbehrung
Nauthiz bedeutet Not. In Deutungen steht sie für Zwang und Schwierigkeiten und rät jedem, der sie zieht, langsamer zu werden, seine Pläne neu aufzubauen und schwere Zeiten geduldig durchzustehen, statt sich im Zorn einen Ausweg zu erzwingen.
Gebo (ᚷ), eine Gabe

Gebo bedeutet Gabe. Sie steht für Großzügigkeit, Partnerschaft und das Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen, ob in Freundschaft, Liebe oder Handel.
Wunjo (ᚹ), Freude
Wunjo bedeutet Freude. Sie ist das Licht nach einer harten Zeit, ein Zeichen für Harmonie und Zuversicht, wenn die Traurigkeit vorüber ist, und für den Einklang zwischen deinem tieferen Selbst und deinem Alltagsdenken.
Algiz (ᛉ), Schutz
Algiz ist in modernen Deutungen die Rune des Schutzes und der starken Nerven, doch ihr alter Name ist unsicher. Meist wird er als „Elch“ erschlossen, und das altenglische Runengedicht nennt sie eolhx, Elchsegge, ein Sumpfgras, das jeden schneidet, der danach greift. In Deutungen rät sie, die eigenen Gefühle in Zeiten des Wandels zu beherrschen, damit selbst ein Kampf, den du nicht gewinnen kannst, dich klüger und nicht gebrochen zurücklässt.
Perthro (ᛈ), Geheimnis und Schicksal
Perthro ist die rätselhafteste aller Runen: Niemand weiß, was ihr Name bedeutete. Das peorð des altenglischen Runengedichts ist ungeklärt, und die Vorstellung, es sei ein Becher zum Loswerfen gewesen, ist eine moderne Vermutung. In Deutungen steht sie für Geheimnis, Zufall und verborgene Gewinne, für die Kräfte in einem Leben, die sich nicht leicht benennen lassen.
Ingwaz (ᛜ), Fruchtbarkeit und neues Leben
Ingwaz ist nach Ing benannt, der laut dem altenglischen Runengedicht zuerst bei den Ostdänen gesehen wurde; er wird oft mit Yngvi-Freyr, dem Gott der Fruchtbarkeit, in Verbindung gebracht. In Deutungen steht sie für neues Leben und Vollendung, für die Aussaat, die jeder Ernte vorausgehen muss, und für das Recht jedes Menschen, ein neues Kapitel zu beginnen.
Othala (ᛟ), Erbe und Heimat

Othala bedeutet ererbter Besitz und Erbe. Sie spricht von Heimat, Familie und dem, was weitergegeben wird, und von der Weisheit, Altes abzulegen, wenn es Zeit ist, damit Neues wachsen kann.
Runen, Magie und die Nornen
Weil Runen Worte in Stein und Metall festhalten konnten, glaubten die Menschen, sie könnten auch Absichten festhalten. Erhaltene Inschriften aus der Wikingerzeit und den Jahrhunderten danach enthalten Liebesbotschaften, Heilzauber und Flüche gegen jeden, der einen Gedenkstein beschädigen würde. Die Gedichte gehen noch weiter. In den Sigrdrífumál lehrt die Walküre Sigrdrífa den Helden Sigurd Runen für jeden Zweck: Siegrunen, die man in den Griff eines Schwertes ritzt und dabei zweimal Týr nennt, Geburtsrunen für die Handflächen, Meerrunen für den Steven und das Ruderblatt eines Schiffes und Astrunen, in die Rinde eines Baumes geschnitten, für jeden, der ein Heiler sein will.
Auch die Sagas zeigen Runen im Einsatz. In der Egils saga, aufgeschrieben im Island des 13. Jahrhunderts, ritzt Egil Runen in ein Trinkhorn, färbt sie mit seinem eigenen Blut rot, und das vergiftete Horn zerspringt (Kapitel 44). Später trifft er auf ein krankes Mädchen namens Helga, deren abgewiesener Verehrer versucht hatte, ihr Liebesrunen zu ritzen, und dabei Fehler gemacht hatte. Egil schabt die falschen Runen ab, verbrennt sie, ritzt neue, und sie wird gesund. Sein Vers zieht die Lehre daraus: Niemand soll Runen ritzen, der sie nicht gut zu lesen versteht (Kapitel 72; das Motiv des Verehrers kommt in Kapitel 76 ans Licht).
Im Mythos wird auch das Schicksal geritzt. Der Weltenbaum Yggdrasil steht über dem Brunnen der Urðr, und in der Völuspá (Strophe 20) kommen drei Mädchen aus dem See unter dem Baum: Urðr, Verðandi und Skuld, die Nornen. Sie „ritzten in ein Holzscheit“, legten Gesetze fest und bestimmten das Leben der Menschenkinder. Das Gedicht lässt sie in Holz ritzen, nicht in den Baum, und es sagt nicht ausdrücklich, dass die Zeichen Runen waren. Dass die Nornen Runen in den Stamm von Yggdrasil ritzen, ist eine moderne Nacherzählung.
Runensteine der Wikinger
Wie Odin die Runen errang
Der berühmteste Runenmythos ist der von Odin selbst. In den Hávamál der Lieder-Edda erzählt Odin, dass er neun ganze Nächte an einem windigen Baum hing, mit dem Speer verwundet und Odin geweiht, er selbst sich selbst, an einem Baum, von dem niemand weiß, aus welchen Wurzeln er wächst (Strophe 138). Das Gedicht nennt den Baum nicht beim Namen; die meisten Leser halten ihn für Yggdrasil, dessen Name wahrscheinlich „Odins Ross“ bedeutet, ein dichterisches Wort für den Galgen. Niemand labte ihn mit Brot oder Trank, sagt Odin; er spähte hinab, nahm die Runen auf, nahm sie schreiend auf und fiel von dort zurück (Strophe 139).
Gleich danach lernt er neun mächtige Lieder und bekommt einen Trunk vom kostbaren Met (Strophe 140). Später zählt das Gedicht achtzehn Zauberlieder auf, die Odin kennt: eines für alle, die Heiler sein wollen, eines, das die Klingen eines Feindes stumpf macht, eines, das eine brennende Halle löscht, eines, das Wind und See beruhigt, wenn sein Schiff in Gefahr ist, und eines, das er unter den Schilden singt, damit seine Freunde heil in die Schlacht ziehen und heil heimkehren. Eines davon nutzt die Runen unmittelbar: Er ritzt und färbt sie, um einen Gehenkten gehen und mit sich sprechen zu lassen (Strophe 157). Der Mythos zeigt die Runen als Wissen, das durch Leiden errungen wird. (Die Hávamál sind auch die bekannteste Sammlung nordischer Spruchweisheit. Ihre berühmtesten Strophen, mit Quellen und Runen, findest du in unserer Sammlung echter Wikinger-Zitate auf Altnordisch.)
Die leere Rune
Manchmal begegnet dir in Wahrsage-Sets eine leere Rune namens Wyrd. Hier lohnt sich Klarheit: Die leere Rune stammt aus Ralph Blums The Book of Runes (1982), dem ein Satz Runensteine mit einem leeren Stein beilag, und gehört zu keinem historischen Futhark. Wyrd selbst ist ein altenglisches Wort für Schicksal und mit dem nordischen Namen Urðr verwandt. In Deutungen gilt sie als das Unerkennbare oder als das Schicksal selbst, als Anstoß, nach innen zu schauen, doch kein Wikinger hat sie je geritzt.
Wikinger-Runen heute
Ganz verschwunden sind die Runen nie: In Teilen Schwedens, vor allem in Dalarna, schrieben die Menschen noch bis ins 19. Jahrhundert mit einer eigenen Runenschrift. Die Runologie, die Erforschung von Runeninschriften, rekonstruiert bis heute aus geritzten Steinen den Handel, das Recht und den Alltag der Nordleute. Den Runenstein von Kjula in Södermanland, Schweden, errichtete zum Beispiel Alríkr für seinen Vater Spjót, der, so sagt sein Vers, im Westen gewesen war, Städte gebrochen und um sie gekämpft hatte.
Auch in der modernen Kultur leben Runen weiter. J.R.R. Tolkien verwendete angelsächsische Runen auf der Karte im Hobbit, bevor er für spätere Bücher seine eigene Schrift, die Cirth, erfand, und Runen tauchen in unzähligen Fantasy-Romanen und Videospielen auf. Sogar das Bluetooth-Logo ist eine Binderune: Es verbindet die Runen des Jüngeren Futhark für H und B, die Initialen des dänischen Wikingerkönigs Harald Blauzahn (dänisch Blåtand), desselben Harald, der den großen Jelling-Stein errichten ließ.
Das Bluetooth-Logo, eine Binderune aus Harald Blauzahns Initialen
Schreib deinen Namen in Runen
Am besten bekommst du ein Gefühl für die Runen, wenn du sie benutzt. Unser kostenloser Runen-Übersetzer verwandelt jeden Namen, jedes Wort und jeden Schwur in Runen des Älteren, des Jüngeren oder des angelsächsischen Futhark, und du kannst das Ergebnis als Poster herunterladen. Echte altnordische Wörter zum Schreiben findest du mit dem Altnordisch-Übersetzer. Viele derselben Symbole findest du auch auf unseren Wikingerringen und Wikinger-Halsketten, und die übrigen Symbole erklärt unser Leitfaden zu nordischen Symbolen und ihrer Bedeutung.
Wikinger-Runen: häufige Fragen
Was sind Wikinger-Runen?
Wikinger-Runen sind die Buchstaben der Runenalphabete, die die Nordleute und andere germanische Völker etwa ab dem 2. Jahrhundert n. Chr. verwendeten. Sie wurden in Stein, Holz, Knochen und Metall geritzt, um Namen festzuhalten, Gedenksteine zu errichten und manchmal auch für Zauber und Flüche. Die Wikinger selbst schrieben mit dem Jüngeren Futhark aus 16 Runen.
Welche drei Arten von Runen gibt es?
Die drei großen Runenalphabete sind das Ältere Futhark (24 Runen, um 150 bis 800 n. Chr.), das Jüngere Futhark (16 Runen, in der gesamten Wikingerzeit verwendet, um 800 bis 1100 n. Chr.) und das angelsächsische Futhorc (bis zu 33 Runen, im frühmittelalterlichen England verwendet). Nach etwa 1100 entwickelte sich das Jüngere Futhark zu den mittelalterlichen Runen weiter.
Wie viele Runen hat das Ältere Futhark?
Das Ältere Futhark hat 24 Runen. Sein Name kommt von den Lautwerten der ersten sechs: F, U, Þ (th), A, R und K. Auf diesem Alphabet beruhen die meisten Ratgeber zur Runenbedeutung.
Was bedeuten Wikinger-Runen?
Jede Rune trug einen Namen, der zugleich ein Wort war, etwa Fehu („Vieh“, Wohlstand) oder Hagalaz („Hagel“). Die Namen des Älteren Futhark sind aus mittelalterlichen Runengedichten erschlossen; die wahrsagerischen Bedeutungen der einzelnen Runen stammen vor allem aus der modernen Runendeutung. Die vollständige Liste findest du in unserem Leitfaden zur Bedeutung der Runen des Älteren Futhark.
Nutzten die Wikinger Runen für Magie?
Runen dienten nicht nur zum Schreiben, sondern auch für Zauber. Erhaltene Inschriften enthalten Heilzauber und Flüche gegen jeden, der einen Gedenkstein beschädigt, und das Gedicht Sigrdrífumál nennt Runen für Sieg, Geburt, sichere Seefahrt und Heilung. In den Hávamál hängt Odin neun Nächte an einem windigen Baum, um die Runen zu erringen. Die Nornen der Völuspá ritzen in ein Holzscheit; die Vorstellung, sie hätten Runen in Yggdrasil geritzt, ist modern.
Wie schreibe ich meinen Namen in Runen?
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Sind nordische Runen und Wikinger-Runen dasselbe?
Ja. Es sind zwei Namen für dieselben geritzten Buchstaben. „Nordisch“ bezieht sich auf das Volk und seine Sprache, „Wikinger“ auf die Epoche und die Fahrten. Beide Begriffe beschreiben also die Runen Skandinaviens und des weiteren germanischen Raums.
Was ist das Runenalphabet?
Das Runenalphabet ist die Schrift, zu der die Runen gehören, genau genommen ein Futhark, benannt nach den Lautwerten seiner ersten sechs Zeichen. Es gibt drei große: das Ältere Futhark mit 24 Runen, das Jüngere Futhark mit 16 Runen und das angelsächsische Futhorc mit bis zu 33 Runen.