Helm der Ehrfurcht (Ægishjálmr): Bedeutung und Geschichte
Der Helm der Ehrfurcht (Ægishjálmr, „Helm des Schreckens“), auch Schreckenshelm genannt, ist ein nordisches Schutzzeichen aus acht Dreizacken, die von einem Mittelpunkt ausstrahlen. Sein Name steht schon in der Lieder-Edda, als Bildzeichen taucht er aber erst in isländischen Zauberbüchern ab etwa 1600 auf. Nach dieser späteren Überlieferung drückte man ihn auf die Stirn zwischen die Augenbrauen, um dem Träger Mut zu geben und Feinden Furcht einzujagen. Er gilt weithin als das stärkste Schutzsymbol der nordischen Tradition.
Die nordische Mythologie ist für ihre vielen Symbole bekannt. Schon die Runen waren eine Art Zeichen, vor allem aber die Schrift, in der die Wikinger ihre Botschaften festhielten. Trotzdem: Wenn die meisten von uns an Runen denken, kommt ihnen zuerst eine Form in den Sinn, die wie eine Schneeflocke aussieht und deren Enden an Dreizacke erinnern. Seltsamerweise ist dieses Zeichen gar keine Rune. In der nordischen Mythologie kennt man es als Helm der Ehrfurcht.
Was bedeutet der Helm der Ehrfurcht?
Beim Helm der Ehrfurcht (altnordisch Ægishjálmr) zählt weniger das Wort selbst als das, wofür es steht. Er ist wohl das mächtigste Symbol der gesamten nordischen Mythologie. Sein Name ist zuerst in der Lieder-Edda belegt. In Strophe 16 des Liedes Fáfnismál nennt der wütende, zerstörerische Drache Fáfnir, auf dem schon der Fluch von Andvaris Gold lastet, den Helm der Ehrfurcht als Quelle seiner Macht:
Den Helm der Ehrfurcht
trug ich vor den Menschensöhnen
solange ich auf dem Schatz lag;
stärker als alle,
so dachte ich, sei ich allein,
denn nie fand ich eine Schar, die mir gewachsen war.
In diesen Versen ist der Helm der Ehrfurcht noch kein Bildzeichen, sondern die Quelle von Fáfnirs furchterregender Macht. Sigurd hält in der nächsten Strophe dagegen, dass der Ægishjálmr niemanden schützt, der einem tapferen Gegner gegenübersteht.
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Außerhalb der Lieder-Edda begegnet uns der Helm der Ehrfurcht in einer viel jüngeren Quelle, dem isländischen Zauberbuch Galdrabók aus der Zeit um 1600, also lange nach der Wikingerzeit. Die beiden Zeichen, die es ausdrücklich Ægishjálmar nennt, haben nur vier Arme statt der acht der heute bekannten Form und sind etwas schlichter gezeichnet.
Die Primärquellen nebeneinander, also die Strophe aus Fáfnismál und die späteren Zauberzeichen der Grimoires, findest du im belegten Eintrag zum Ægishjálmr in unserer Symbol-Bibliothek (auf Englisch).
Spätere isländische Zauberformeln lassen das Zeichen auf die Stirn zwischen die Augenbrauen drücken, als Ausdruck der Stärke gegenüber den Feinden. Oft liest man auch, Krieger hätten es als Schutzzeichen auf ihre Schilde oder in ihre Helme gesetzt. Belege aus der Wikingerzeit gibt es dafür nicht.
Wie schon gesagt, ist der Helm der Ehrfurcht selbst keine Rune. Mit den Runen verbindet ihn trotzdem einiges, denn manche germanische Runen ähneln in ihrer Form einzelnen Teilen des Helms der Ehrfurcht. Auch wenn er aus der isländischen Zaubertradition stammt, schlägt er so eine optische Brücke zur Runenschrift, die in weiten Teilen der germanischen Welt verbreitet war.

Steht der Helm der Ehrfurcht für das Böse?
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn unsere heutigen Vorstellungen von Religion, Kultur und Moral, von Gut und Böse, sind nicht dieselben wie zur Zeit der Wikinger. Für uns moderne Menschen ist etwas, das anderen Schrecken einjagt, mindestens fragwürdig. Die nordische Religion und Kultur sah das ganz anders. Für die Nordmänner ging es vor allem darum, Mut zu zeigen, tapfer zu kämpfen und nach Walhall zu gelangen. Gab es also einen magischen Gegenstand, der ihnen auf diesem Weg half, sei es als Schutz oder gegen die Angst, dann war daran nichts Falsches.
Über die Form des Helms der Ehrfurcht wird viel gestritten. Einige moderne Autoren, allen voran Stephen Flowers, meinen, dass sich seine Form im Lauf der Zeit verändert hat. Anfangs, in der Lieder-Edda, habe er eine körperliche Gestalt gehabt, und zwar die einer Kugel. Er sei mit Schlangen verbunden gewesen, daher auch seine Nähe zum Drachen Fáfnir. In den isländischen Zauberbüchern habe er dann jede Verbindung zur körperlichen Welt verloren. Sein Ursprung sei magisch gewesen, seine Kraftquelle die Zirbeldrüse (deshalb zeichnete man ihn zwischen die Augen, denn diese Stelle galt in vielen alten Kulturen als Mittelpunkt der Energie), und er sei mit der Lebensenergie verbunden gewesen. So habe er einem Krieger mit Magie geholfen, seine Gegner zu besiegen, ihm Mut gegeben und die Furcht aus seinem Herzen vertrieben.
Ist der Helm der Ehrfurcht also böse? In seiner ursprünglichen Form, als das Ding, mit dem sich der uralte Fáfnir schützte, könnte man ihn im heutigen Sinn des Wortes wohl böse nennen. In seiner isländischen Form dagegen, als Zeichen, das einem Kämpfer helfen sollte, seine Feinde zu besiegen und sein Leben mit Magie zu schützen, würde ihn niemand so schnell böse nennen. Am besten sieht man in ihm einen Gegenstand der Macht, der Menschen früherer Zeiten im Kampf beistehen sollte. Darin ähnelt er Waffen: Sie mögen einschüchternd wirken, doch ohne jemanden, der sie führt, richten sie kaum Schaden an. Und wie eine Waffe ließ er sich auch zum Schutz einsetzen.
Auch wenn du nicht religiös bist, kannst du dieses Zeichen spannend finden, als Symbol, das die isländische Zaubertradition stark geprägt hat. Und in seinen Armen erkennen viele Betrachter einzelne Runenformen wieder.
Wie komme ich zu einem Helm der Ehrfurcht?
Die neue Begeisterung für die nordische Mythologie hat dieses Symbol, wie viele andere nordische Zeichen auch, zurück in den Alltag gebracht. Am häufigsten sieht man es als Tattoo am Arm. Wenn du nicht sicher bist, wie ein Tattoo wirken würde, und lieber etwas weniger Dauerhaftes möchtest, findest du viele schöne Stücke, in die das Zeichen eingraviert ist. Wer den Geist der Gegenwart mit der großen Zeit der Wikinger verbinden will, findet Uhren, bei denen die Arme des Helms die Zeiger ersetzen. Etwas klassischer sind Ringe mit dem Symbol. Natürlich gibt es auch Decken, Hoodies mit dem Helm der Ehrfurcht, T-Shirts und vieles mehr.
Fazit
Wie du jetzt weißt, gibt es für den Helm der Ehrfurcht viele verschiedene Deutungen. Er kann ein gutes Zeichen sein oder ein schlechtes. Er kann für Macht stehen oder für Schutz. Welche Bedeutung er für dich haben soll, entscheidest du selbst.
Bis zum nächsten Mal,
Skål!
Häufige Fragen
Was bedeutet der Helm der Ehrfurcht?
Der Helm der Ehrfurcht (Ægishjálmr, „Helm des Schreckens“) ist ein nordisches Symbol für Schutz und Macht. Acht Dreizacke strahlen von einem Mittelpunkt aus. Nach späterer isländischer Überlieferung trug man ihn, um sich selbst Mut zu machen und Feinden Furcht einzujagen.
Ist der Helm der Ehrfurcht eine Rune?
Nein. Seine Arme erinnern zwar an Runenformen, und er ist eng mit der Runenmagie verbunden, doch der Helm der Ehrfurcht ist ein Zauberzeichen, kein Buchstabe irgendeines Futhark.
Was ist der Unterschied zwischen dem Helm der Ehrfurcht und dem Vegvísir?
Beide sind isländische Zauberzeichen. Der Helm der Ehrfurcht (Ægishjálmr) steht für Schutz und Überlegenheit in der Auseinandersetzung, während der Vegvísir, der isländische Wegweiser, dir helfen soll, deinen Weg zu finden und dich nicht zu verirren.
Ist der Helm der Ehrfurcht böse?
Nach nordischem Verständnis nicht. Er war ein Mittel für Mut und Schutz, eher eine Rüstung als ein Fluch. Wer ihn „böse“ nennt, legt einen modernen moralischen Maßstab an, den die Nordmänner nicht kannten.
Wie haben die Wikinger den Helm der Ehrfurcht verwendet?
Belege aus der Wikingerzeit selbst gibt es nicht. Nach späterer isländischer Überlieferung drückte man das Zeichen vor einer Auseinandersetzung auf die Stirn zwischen die Augenbrauen, um Schutz, Mut und Macht über die Gegner zu gewinnen. Dass Krieger es auf Schilde oder Helme malten, ist nicht belegt.
Wenn du tiefer einsteigen willst, lies unseren großen Ratgeber zu nordischen Symbolen, den Artikel über sein Schwesterzeichen, den Vegvísir, und den über die Runen des Älteren Futhark, an die seine Arme erinnern, oder sieh dir im Shop unsere Designs mit dem Helm der Ehrfurcht an.
