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Wikingerkunst: Die Geschichte der sechs nordischen Kunststile

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Von VikingsBrand12 Min. Lesezeit · Veröffentlicht am 7.2.2021 · Aktualisiert am 15.10.2026
Viking pendant in the styles of Norse runes

Wikingerkunst ist die Tierornamentik nordischer Handwerker, mit der sie zwischen dem 8. und dem 12. Jahrhundert Schiffe, Schmuck, Waffen und Runensteine verzierten. Sie umfasst sechs benannte Stile, Oseberg, Borre, Jelling, Mammen, Ringerike und Urnes, und jeder zeichnet seine stilisierten Tiere und Flechtmuster auf eigene Weise. Dieser Ratgeber stellt alle sechs Stile vor und zeigt, was sie über die Welt der Wikinger verraten.

Für die meisten Menschen ist Kunst nicht das Erste, woran sie bei den Nordmännern denken. Das ist leicht nachzuvollziehen. Jahrzehntelang bestimmten Schiffbau, Seefahrt und Krieg das Bild der Wikingerzeit. Doch berühmte Plünderer und Seefahrer zu sein, hinderte die Skandinavier nicht daran, auch bemerkenswerte Handwerker zu sein. Hinter den Langschiffen standen Holzschnitzer, Schmiede und Goldschmiede, die Alltagsgegenstände in einige der unverwechselbarsten Kunstwerke des frühmittelalterlichen Europas verwandelten.

Haben die Wikinger Kunst geschaffen?

Ja. Die Wikinger waren äußerst produktive und sehr geschickte Künstler, deren Werke auf Schmuck, Waffen, Schiffen, Schlitten, Runensteinen und Stabkirchen erhalten sind. Die alte Vorstellung, Krieger hätten weder Zeit noch Sinn für Kunst gehabt, passt nicht zu den Funden. Nordische Handwerker schufen während der gesamten Wikingerzeit und noch darüber hinaus kunstvolle Tierornamentik, insgesamt etwa von 775 bis 1150 n. Chr.

Das Klischee hat zwei Wurzeln: den Ruf der Wikinger als kampferprobte Krieger und die Annahme, Kunst gehöre nur zu sanfteren Kulturen. Beides hält dem Blick in die Museumsvitrine nicht stand. Nordische Kunsthandwerker waren nicht bloß fähige Dekorateure; sie entwickelten eine anspruchsvolle Ornamenttradition, die sich von Norwegen bis nach Irland, Island und an die Flüsse Russlands verbreitete.

Welche Art von Kunst schufen die Wikinger?

Wikingerkunst: Ornamente auf einer Holzoberfläche

Wikingerkunst war ganz überwiegend angewandte Kunst, also Verzierung an Gegenständen, die bereits einen Zweck erfüllten. Statt Gemälden oder Skulpturen, die nur bewundert werden sollten, findet sich die meiste erhaltene nordische Kunst auf Fibeln, Waffenbeschlägen, Zaumzeugbeschlägen, Trinkgefäßen und geschnitztem Holz. Das Können floss in die Verschönerung nützlicher Dinge.

Deshalb bestimmen vor allem Ornamente diese Tradition, nicht Szenen oder Porträts. Stilisierte Tiere, verflochtene Bänder und spiralförmige Ranken winden sich über die Oberfläche eines Stücks und füllen jeden freien Platz. Wenn Historiker von „Wikingerkunst“ sprechen, meinen sie meist, wie diese Tier- und Pflanzenmotive gezeichnet wurden und wie sich dieser Zeichenstil über rund vier Jahrhunderte veränderte.

Welche sechs Stile der Wikingerkunst gibt es?

Die sechs Stile der Wikingerkunst sind Oseberg, Borre, Jelling, Mammen, Ringerike und Urnes. Sie folgen grob aufeinander, von etwa 775 bis 1150 n. Chr., lösen einander aber nicht sauber ab, sondern überschneiden sich. Fast zu jedem Zeitpunkt waren zwei, manchmal drei Stile gleichzeitig in Gebrauch, und jede neue Mode wuchs allmählich aus der vorherigen heraus.

Jeder Stil ist nach dem Ort oder Gegenstand benannt, an dem ein maßgebliches Beispiel gefunden wurde. James Graham-Campbell, emeritierter Professor für mittelalterliche Archäologie am University College London, gliedert das Material in seinem Standardwerk Viking Art (Thames & Hudson) genau in diese sechs Stile und zeichnet nach, wie sie entstanden, sich überschnitten und im Lauf der Wikingerzeit weiterentwickelten.

Wichtig ist: Ein „neuer“ Stil kam selten als klarer Bruch. Meist begann er als kleine Verschiebung in der Art, wie Tiere oder Ranken gezeichnet wurden, und verfestigte sich dann langsam zu einer eigenen, erkennbaren Formensprache. So entsteht eine durchgehende, sich wandelnde Tradition statt sechs getrennter Schubladen. Dieselbe Tierornamentik findest du auch in unserer Auswahl an Wikinger-Wandbildern auf Leinwand und Wandteppichen.

Oseberg-Stil (um 775–875 n. Chr.)

Tierkopf als Verzierung des Oseberg-Schiffs

Der Oseberg-Stil ist der früheste Stil der Wikingerkunst, verbreitet etwa von 775 bis 875 n. Chr. in ganz Skandinavien. Benannt ist er nach dem Schiffsgrab von Oseberg, einem prächtig ausgestatteten Frauengrab unter einem Grabhügel bei Oseberg in Vestfold, Norwegen, das 1904 bis 1905 ausgegraben wurde. Das Schiff selbst entstand um 820, die Bestattung fand um 834 statt.

Sein Kennzeichen ist das „Greiftier“, ein Tier, dessen Pfoten die umgebende Rahmenleiste, den eigenen Körper oder ein benachbartes Tier packen. Neben diesen zupackenden Wesen finden sich verflochtene, bandartige Tiere in einem dichten, teppichartigen Muster, das den Ton für die fünf folgenden Stile vorgab. Das Grab lieferte einige der schönsten frühen Beispiele, darunter geschnitzte Tierkopfpfosten sowie einen reich verzierten Wagen und Schlitten. Die Oseberg-Funde befinden sich heute im Museum der Wikingerzeit in Oslo, das zum Kulturhistorischen Museum gehört.

Borre-Stil (um 850–950 n. Chr.)

Der Borre-Stil war etwa von 850 bis 950 n. Chr. verbreitet und ist der erste Wikingerstil, der sich weit über die Diaspora ausbreitete: Er taucht in Britannien, Irland, Island und Russland auf. Seinen Namen hat er von einer Reihe vergoldeter Bronzebeschläge eines Zaumzeugs aus einem Schiffsgrab im Hügelgräberfeld von Borre in Vestfold, Norwegen. An seinem Anfang überschneidet er sich mit Oseberg, an seinem Ende mit Jelling.

Borre ergänzte das ältere Repertoire um zwei eigene Ideen: die „Ringkette“ (ein geflochtenes Ringband-Flechtwerk) und ein Greiftier mit maskenhaftem, fast dreieckigem Gesicht, auffälligen Augen und krallenden Pfoten, eingebettet in enge, geometrische Knotenmuster. Vor allem war er ein Stil für Metallschmuck. Wo ein Oseberg-Stück einen recht schlichten Tierkopfpfosten tragen mochte, füllte ein Borre-Handwerker die Fläche mit Ringkette und Knotenwerk. Wohin nordische Siedler und Händler auch zogen, sie nahmen die Borre-Ornamentik mit, und der Stil findet sich auch auf einigen der schönsten von Wikingern inspirierten Holzarbeiten.

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Jelling-Stil (um 900–975 n. Chr.)

Verzierung eines alten Wikinger-Gefäßes

Der Jelling-Stil (manchmal auch Jellinge geschrieben) war etwa von 900 bis 975 n. Chr. verbreitet und ist vor allem ein Stil der Metallkunst. Benannt ist er nach einem kleinen gegossenen Silberbecher aus dem Nordhügel, dem Königsgrab, in Jelling in Jütland, Dänemark. Der Stil schlägt die Brücke zwischen Borre und Mammen.

Sein Markenzeichen ist das bandförmige, S-förmig verschlungene „Tier“. Diese Tiere sind im Profil dargestellt, mit offenem Maul, eingerolltem Lippenlappen und Nackenzopf, und ihre Körper sind als schmale Bänder mit doppelter Kontur gezeichnet. Eine häufige Verwechslung sollte man klarstellen: Der Stil ist nach dem silbernen Jelling-Becher benannt, nicht nach den Runensteinen von Jelling; der große Stein Harald Blauzahns (um 965) trägt bereits Ornamentik im Mammen-Stil. Im Lauf des 10. Jahrhunderts wich Jelling allmählich einer kühneren neuen Formensprache: Mammen.

Mammen-Stil (um 950/970–1025 n. Chr.)

Der Mammen-Stil entstand um 950 bis 970 n. Chr. und hielt sich bis etwa 1000 bis 1025 n. Chr. Benannt ist er nach einer silbertauschierten eisernen Zeremonialaxt aus dem Kammergrab von Bjerringhøj bei Mammen, nahe Viborg in Jütland, Dänemark. Hier lag ein Magnat begraben, und die Bestattung ist dendrochronologisch auf den Winter 970/971 datiert. Ein Bauer grub 1868 erstmals in den Hügel, und in der Kammer ruhte ein hochrangiger Mann auf einem daunengepolsterten Bett, in bestickten Gewändern mit Seiden- und Pelzbesatz.

Wo frühere Stile die Fläche mit vielen kleinen Wesen füllten, bevorzugt Mammen ein einzelnes großes, massiges Tier, oft das löwenartige „große Tier“, mit gepunktetem Körper, Spiralhüften und halbkreisförmigen Kerben entlang der Konturen. Seine eigentliche Bedeutung liegt in einer Premiere: Mit Mammen kam pflanzliche Ornamentik in die Wikingerkunst, Ranken, die vom Akanthusblatt abgeleitet sind. Die Mammen-Axt selbst zeigt auf einer Seite einen Vogel und auf der anderen ein Rankenmuster. Der Stil ging allmählich in Ringerike über, und die Funde sind im Dänischen Nationalmuseum in Kopenhagen ausgestellt. Eine alte Geschichte gilt es kurz zu korrigieren: Die Axt stammt nicht aus dem Grabhügel Harald Blauzahns; sie ist schlicht das namengebende Fundstück des Mammen-Stils.

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Ringerike-Stil (um 990/1000–1050 n. Chr.)

Der Ringerike-Stil blühte etwa von 990 bis 1050 n. Chr. und erwuchs direkt aus Mammen. Er ist nach der Landschaft Ringerike nördlich von Oslo, Norwegen, benannt, deren rötlicher Sandstein in diesem Stil behauen wurde. Den Namen gab also eine Gegend und kein einzelnes Objekt, auch wenn der Stein von Vang (aus Vang in Valdres) und der Stein von Alstad am häufigsten als Leitdenkmäler genannt werden.

Ringerike greift die Pflanzenornamentik von Mammen auf und baut sie zu langen, dünnen, symmetrischen Ranken und Lappen aus, die aus Spiralen hervorwachsen und sich oft zu Bündeln sammeln, die in engen Spiralen enden. Seine Tiere, ein schlankeres, geschwungeneres großes Tier neben Löwen- und Schlangenfiguren, haben tropfenförmige Augen, deren Spitze zur Schnauze zeigt, ein typisches Erkennungszeichen des Stils, und kaum verzierte Körper. Hier zeigt sich der Gegensatz zu den älteren Stilen: Ringerike-Wesen sind schlanker und länger gezeichnet, die älteren Tiere dagegen kräftiger und runder. Der Stil beeinflusste später die Kunst in England, Irland und im übrigen Skandinavien.

Urnes-Stil (um 1040–1150 n. Chr.)

Der Urnes-Stil ist der letzte Stil der Wikingerkunst, verbreitet etwa von 1040 bis 1150 n. Chr., und reicht bis in die Romanik hinein. Er ist nach dem geschnitzten Holzportal an der Nordseite der Stabkirche von Urnes in Ornes in Luster, Westnorwegen, benannt, einer UNESCO-Welterbestätte. Diese Schnitzereien sind ältere Holzarbeiten, die in der heutigen Kirche aus dem 12. Jahrhundert wiederverwendet wurden.

Urnes ist die eleganteste und am stärksten stilisierte Phase der gesamten Tradition. Schlanke, windhund- oder schlangenartige Tiere mit mandelförmigen Augen und langen Hälsen sind mit noch dünneren Schlangen und schwungvollen Ranken verflochten, angeordnet in offenen Achter- und Schleifenkompositionen. Ein deutlicher Wechsel zwischen dicken und dünnen Linien gibt der Ornamentik ihren Rhythmus. Diese Zeit fiel mit der Christianisierung Skandinaviens zusammen, und während die alten Mythen allmählich verblassten, wurde die Tierornamentik immer feiner, bis sie in der romanischen Kunst aufging. Urnes ist der anmutige Höhepunkt jahrhundertelanger skandinavischer Tierornamentik.

Die Merkmale der Wikingerkunst

Unter den besonderen Merkmalen der Kunst aus der Wikingerzeit ist das Material das wichtigste. Das am häufigsten verwendete Material der nordischen Kunst ist, du ahnst es schon, Holz.

Der Hauptgrund dafür ist, dass es in Nordeuropa Holz im Überfluss gab. Hinzu kommt, dass es sich relativ leicht schnitzen lässt und damit ein ideales künstlerisches Material ist.

Mit der Ausbreitung des Christentums gewann Stein als Werkstoff stark an Bedeutung, vor allem für Runensteine. Das sieht man in Jelling in Dänemark, wo die königlichen Denkmäler aus Stein bestehen. Wie du die Runeninschriften auf solchen Steinen liest, erfährst du in unserem Ratgeber zu den Runen der Wikinger.

Bleibt das Metall, und es ist keineswegs das unwichtigste. Der Großteil der heutigen Forschung zur Wikingerkunst stützt sich auf Metallarbeiten. Schmuck war in der Wikingerzeit sehr wichtig und wurde von Männern wie Frauen getragen.

Schmuck aus der Wikingerzeit
Schmuck aus der Wikingerzeit

Männer und Frauen trugen dabei unterschiedlichen Schmuck.

Frauen schlossen ihre Trägerkleider mit einem Paar großer Fibeln; oft deutet man sie als Tracht verheirateter Frauen, sicher belegt ist das nicht. Wegen ihrer gewölbten Form nannten Archäologen sie „Schildkrötenfibeln“, im Deutschen heißen sie meist Schalenfibeln. Jede Region hatte ihre Eigenheiten, und viele jüngere Exemplare tragen eine durchbrochen gearbeitete Oberschale.

Männer trugen Ringe, an den Fingern, um den Hals und an den Armen. Armringe hatten in der Tradition der Wikinger großes Gewicht: Ein Herr beschenkte seine Gefolgsleute mit Ringen und band sie so an sich. Für Schmuck verwendeten die Wikinger meist Silber und Bronze, in einigen besonders reichen Funden steckte aber auch viel Gold.

Viele Metallstücke wurden in Wikingergräbern gefunden, denn zu den Bestattungsbräuchen gehörten Grabbeigaben, die den Toten als Geschenk für das Jenseits mitgegeben wurden. Außerdem kleidete man die Verstorbenen in ihre besten Gewänder, oft mit reichlich Schmuck, der sie ins Jenseits begleiten sollte.

Viele Funde stammen außerdem aus Schatzhorten: Jemand vergrub seinen Besitz, um ihn später zu holen, und kam aus irgendeinem Grund nie zurück. Manche Horte könnten allerdings auch Opfergaben an die Götter gewesen sein, und sie wieder auszugraben, hätte als Frevel gegolten.

In jüngerer Zeit hat die Suche mit Metalldetektoren viel zur Erforschung der nordischen Kunst beigetragen, denn zahlreiche Objekte wurden auf diese Weise entdeckt. Darunter sind vor allem Münzen, und auch sie kann man als eine Form von Kunst sehen, denn ihr Bild musste erst jemand entwerfen.

Die Bildkunst der Wikinger drehte sich also vor allem um Schnitzerei und Schmuck. Es gab auch Malerei, etwa auf Holz und Runensteinen, und natürlich die Dichtung, doch in der Bildkunst stand das Schnitzen klar im Vordergrund.

Wie haben die Wikinger die Kunstwelt beeinflusst?

Goldene Fibel als Beispiel für Wikingerkunst

Nordische Kunst und Mythologie hallen in klassischer Musik, Fantasy-Literatur, Heavy Metal und großem Kino nach. Komponisten, Romanautoren und Filmemacher schöpfen immer wieder aus derselben mittelalterlich-skandinavischen Quelle, angezogen von ihren eindrucksvollen Bildern und ihren Geschichten von Göttern, Schlangen und dem Ende der Welt. Dabei geht es weniger darum, die Ornamentik der Wikinger direkt zu kopieren, als die Mythen wiederzubeleben, die diese Ornamentik einst begleitete.

Richard Wagner stützte sich für seinen Opernzyklus Der Ring des Nibelungen auf die nordische und germanische Sage von den Völsungen und Nibelungen. J.R.R. Tolkien schöpfte für Der Herr der Ringe aus denselben altnordischen und mittelalterlichen Quellen. Das eine ist keine Kopie des anderen; Tolkien selbst wies den Vergleich zurück mit der Bemerkung: „Beide Ringe waren rund, und da endet die Ähnlichkeit.“ Die beiden haben schlicht einen gemeinsamen Vorfahren in den alten Sagen.

Auch der Metal griff die Mythen auf. Bands bauten ein ganzes Subgenre, den „Viking Metal“, auf nordischer Kunst und Erzähltradition auf. Stark von nordischer Bildsprache geprägt, erlebte der Stil seinen Höhepunkt Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre und prägt Musiker bis heute.

Am sichtbarsten lebt der Stoff heute bei Marvel. Die Thor-Comics und -Filme greifen die nordische Mythologie auf, darunter Ragnarök, die mythologische Apokalypse. Der Film Thor: Ragnarok von 2017 (deutsch Thor: Tag der Entscheidung) verdankt seinen Originaltitel diesem Ereignis und adaptiert vor allem die Handlungsstränge „Planet Hulk“ und Thor. (Marvel hat zwar auch eine kleine Cyborg-Figur namens Ragnarok, die 2006 eingeführt wurde, doch der Film erzählt nicht ihre Entstehungsgeschichte.)

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Wikingerkunst: häufige Fragen

Welche sechs Stile der Wikingerkunst gibt es, und in welcher Reihenfolge?

In chronologischer Reihenfolge sind es Oseberg (um 775–875), Borre (um 850–950), Jelling (um 900–975), Mammen (um 950/970–1025), Ringerike (um 990/1000–1050) und Urnes (um 1040–1150). Sie überschneiden sich, statt sauber aufeinander zu folgen, sodass während der Wikingerzeit meist zwei oder drei Stile gleichzeitig verbreitet waren.

Was ist das Greiftier in der Wikingerkunst?

Das Greiftier ist ein Tiermotiv, dessen Pfoten die umgebende Rahmenleiste, den eigenen Körper oder ein benachbartes Tier packen. Es ist das prägende Merkmal des frühen Oseberg-Stils und kehrt im Borre-Stil abgewandelt wieder, dort mit einem charakteristischen maskenhaften, fast dreieckigen Gesicht. Es gehört zu den bekanntesten Bildern der frühen nordischen Ornamentik.

Was ist das Besondere am Mammen-Stil?

Mit dem Mammen-Stil hält die Pflanzenornamentik Einzug in die Wikingerkunst. Neben einem einzelnen großen Tier mit gepunktetem Körper und Spiralhüften verwendeten Mammen-Handwerker erstmals Ranken, die vom Akanthusblatt abgeleitet sind. Benannt ist der Stil nach der silbertauschierten Mammen-Axt aus dem Grab von Bjerringhøj, datiert auf den Winter 970/971.

Woher hat der Urnes-Stil seinen Namen?

Der Urnes-Stil ist nach dem geschnitzten hölzernen Nordportal der Stabkirche von Urnes in Ornes in Westnorwegen benannt, einer UNESCO-Welterbestätte. Die Schnitzereien sind ältere Holzarbeiten, die in der Kirche aus dem 12. Jahrhundert wiederverwendet wurden. Urnes ist die letzte und am stärksten stilisierte Phase der Tierornamentik der Wikinger, bevor sie in der romanischen Kunst aufging.

Wurde die Mammen-Axt im Grab von Harald Blauzahn gefunden?

Nein. Die Mammen-Axt stammt aus dem reichen Kammergrab von Bjerringhøj bei Mammen, nahe Viborg in Jütland, der Bestattung eines Magnaten, die dendrochronologisch auf den Winter 970/971 datiert ist. Eine belegte Verbindung zu Harald Blauzahn gibt es nicht. Die Axt ist schlicht das namengebende Fundstück des Mammen-Stils und befindet sich im Dänischen Nationalmuseum.

Hat die Wikingerkunst Tolkien und Wagner beeinflusst?

Beide schöpften aus denselben nordischen und germanischen Sagen um Völsungen und Nibelungen. Wagner gründete Der Ring des Nibelungen auf diesen Stoff, und Tolkien nutzte dieselben altnordischen und mittelalterlichen Quellen für Der Herr der Ringe. Tolkien selbst wies den Vergleich zurück; ob Wagners Zyklus ihn dennoch beeinflusste, etwa mit der Idee eines Rings der Weltherrschaft, ist in der Forschung umstritten.

Fazit

Die Wikinger hatten ein echtes Talent dafür, nützliche Gegenstände in Kunst zu verwandeln. Von Schiffsplanken und Zaumzeugbeschlägen bis zu Fibeln, Äxten und Runensteinen überzogen sie die Dinge des Alltags mit einer lebendigen Tradition der Tierornamentik, die sich fast vier Jahrhunderte lang weiterentwickelte.

Ihre Kunst ist vielleicht nicht das Erste, woran man bei der nordischen Welt denkt, aber sie verdient ihren Platz. Selten ging es um Kunst um ihrer selbst willen. Sie sollte die Gegenstände verschönern, die die Menschen ohnehin benutzten, und durch die verschlungenen Tiere und Ranken, die jeden der sechs Stile prägten, Bedeutung tragen.

Auch wenn du dich nie für eine künstlerische Seele gehalten hast, lass dich vom Ansatz der Wikinger inspirieren: Mach die gewöhnlichen Dinge um dich herum schön.

Bis zu unserem nächsten Wikingertreffen verabschieden wir uns mit einem herzlichen Gruß:

Skål!

Geschrieben von VikingsBrand. Zuletzt geprüft im Juli 2026.

Was die Motive bedeuten, erklärt unser Beitrag über nordische Symbole und ihre Bedeutung; wie sie heute auf der Haut weiterleben, zeigt Geschichte und Bedeutung von Wikinger-Tattoos, und wer wissen will, wer diese Dinge benutzte, liest über den Alltag in der Wikingerzeit oder findet die alten Formen in unserer Kollektion Wikingerschmuck wieder.

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