Odin, der Wanderer: Der Allvater der nordischen Mythologie
Odin ist der Allvater, das Oberhaupt der Asen und der nordische Gott des Krieges, der Weisheit, der Dichtkunst, der Magie und der Toten. Für Weisheit opferte er an Mímirs Brunnen ein Auge, und um die Runen zu gewinnen, hing er neun Nächte an einem windigen Baum, den man meist als den Weltenbaum Yggdrasil deutet. Er reitet das achtbeinige Pferd Sleipnir, wird von seinen Raben Huginn und Muninn und seinen Wölfen Geri und Freki begleitet und führt den Speer Gungnir. In Ragnarök verschlingt ihn der Wolf Fenrir.
Endlich ist es so weit: Wir schreiben über den nordischen Gott, den viele von euch (wenn nicht alle) unter allen Göttern der nordischen Mythologie am meisten lieben. Er ist Thors Vater und wird auch der Allvater der Götter genannt. Natürlich geht es in diesem Artikel um Odin, den König von Asgard.
Odin (altnordisch: Óðinn) herrscht über Asgard, das Reich der Götter. Er ist auch der wichtigste Gott der nordischen Welt. Auch in der germanischen Mythologie hat Odin seinen Platz: Dort heißt er Wuotan (im Althochdeutschen) und Woden (im Altenglischen).
Kein anderer Gott des nordischen Pantheons vereint so viele verschiedene Eigenschaften wie Odin. Meist erscheint er als einäugiger Wanderer und als der weiseste aller nordischen Götter, und er galt als Gott des Krieges, der Dichtkunst, der Runen, der Magie und der Toten. Rabe und Wolf waren ihm als Symbole geweiht, weil sie seine treuen Begleiter sind. Außerdem besitzt der Allvater ein Pferd wie kein anderes und einige der mächtigsten Gegenstände der nordischen Welt.
Er gehört zum Göttergeschlecht der Asen, hat zusammen mit seinen beiden Brüdern die Welt erschaffen, wie wir sie kennen, und herrscht von Asgard aus, der Heimat der Götter. Die tapfersten gefallenen Wikingerkrieger wählt er aus, damit sie in seiner großen Halle Walhall wohnen und an seiner Seite kämpfen, wenn Ragnarök beginnt. Auch wenn der Allvater unbesiegbar wirken mag: Ihm war bestimmt, in der letzten Schlacht zu fallen, die die ganze nordische Welt vernichten wird.
Doch wie schon in den vorigen Artikeln wollen wir nichts überstürzen und ganz von vorn beginnen, denn Odins Geschichte verdient es, richtig erzählt zu werden.
Sieh dir unsere Wikinger-Armbänder mit Odin-Motiven an.
Odins Heim und Familie
Odin besitzt eine Halle namens Valaskjálf (der Name wird meist als „Bank der Gefallenen“ gedeutet). Laut Gylfaginning 17 bauten die Götter sie und deckten sie mit reinem Silber. In dieser Halle steht sein Hochsitz Hlidskjalf (altnordisch Hliðskjálf). Wenn Odin darauf sitzt, kann er über alle Welten blicken. Es ist ein heiliger Sitz: Als Freyr sich darauf setzte, büßte er laut Snorri für diese Anmaßung und ging voller Kummer davon (Gylfaginning 37). Odin teilt den Sitz mit seiner Frau Frigg. In der Prosa, mit der die Grímnismál beginnen, sitzen die beiden in Hliðskjálf und schauen über alle Welten.Nun ein paar Worte zu Odins Vorfahren und seiner Familie.
Odins Großvater ist Buri, den die Urkuh Auðhumla aus den salzigen Eisblöcken leckte (Gylfaginning 6). Buri hatte einen Sohn, Bor (altnordisch Borr), der die Riesin Bestla heiratete, die Tochter des Riesen Bölþorn. Ihre drei Söhne waren Odin, Vili und Vé. Die drei Brüder erschufen die nordische Welt, wie wir sie heute kennen.
Odins Frau ist Frigg. Snorri nennt sie die vornehmste der Göttinnen (Gylfaginning 35), und in der Skáldskaparmál bezeichnet er sie als Königin der Asen und der Göttinnen. Gemeinsam haben sie einen Sohn, Baldr. Odin ist auch der Vater von Hödr, dem blinden Gott, dessen Wurf Baldr tötet. Doch Odin hatte noch weitere Söhne. Manche Riesinnen in Jötunheim waren so schön, dass selbst der Allvater ihnen nicht widerstehen konnte. Also zog es Odin immer wieder nach Jötunheim, zu diesen schönen Riesinnen.
So bekam Odin viele Söhne, doch wir nennen nur einige der wichtigsten. Der berühmteste Sohn Odins ist natürlich der Donnergott Thor, den er mit Jörd (der Erde) zeugte. Rind gebar ihm einen Sohn, Vali, und die Riesin Grid gebar ihm Vidar.
Odins Aussehen und Schätze

Odins Aussehen
Meist wird Odin als alter Mann mit nur einem Auge und langem Bart dargestellt, gewöhnlich mit Hut und Umhang und mit seinem Speer Gungnir in den Händen. Ein weiterer Gegenstand von ungeheurer Macht, den der Allvater besaß, war ein Stück Wikingerschmuck: der Ring Draupnir.
Außerdem wird Odin oft mit seinen treuen tierischen Begleitern gezeigt. Er reitet ein achtbeiniges Ross namens Sleipnir. Seine beiden Raben Huginn und Muninn fliegen über die ganze Welt und sammeln Neuigkeiten, dann setzen sie sich auf Odins Schultern und flüstern ihm ins Ohr, was sie gesehen und gehört haben. In Asgard begleiten Odin meist Geri und Freki, seine beiden Wölfe.
Odins Speer: Gungnir

Gungnir, der Speer des Gottes Odin
Gungnir (das bedeutet „der Schwankende“) war der Speer von ungeheurer Macht, der Odin gehörte.
Gungnir ist natürlich nicht irgendein Speer, sondern immerhin die Waffe eines Gottes. Geschmiedet haben ihn die geschicktesten Handwerker der nordischen Welt: die Zwerge.
Die Geschichte steht in der Skáldskaparmál. Loki hatte Sif, Thors Frau, alle Haare abgeschnitten, und Thor hätte ihm jeden Knochen im Leib gebrochen, hätte Loki nicht geschworen, ihr neues Haar aus Gold zu beschaffen. Loki ging zu den Zwergen, die man die Söhne Ívaldis nennt. Sie fertigten das goldene Haar, das Schiff Skíðblaðnir und den Speer Gungnir. Dann wettete Loki mit dem Zwerg Brokkr um seinen Kopf, dass Brokkrs Bruder keine drei ebenso guten Schätze herstellen könne, und aus dieser Wette gingen Draupnir, Gullinbursti und Mjölnir hervor.
Als Loki Odin den Speer überreichte, sagte er, Gungnir halte im Stoß niemals inne.
Der Speer ist auch mit den Runen verbunden: In den Sigrdrífumál 17 gehört die Spitze Gungnirs zu den Dingen, in die Runen geritzt wurden.
Im Krieg zwischen den Asen und den Wanen eröffnete Odin den Kampf, indem er seinen Speer über das feindliche Heer schleuderte. Die Völuspá 24 nennt die Waffe nicht beim Namen, doch die Stelle wird meist so gelesen, und das Gedicht nennt dies den ersten Krieg der Welt.
Der berühmte Ruf „Odin hat euch alle!“ (altnordisch „Óðinn á yðr alla“) stammt nicht aus diesem Gedicht. Er gehört zum Styrbjarnar þáttr, einer späteren Erzählung über die Schlacht auf den Fýrisvellir. Dort reicht ein großer Mann mit Kapuze König Eiríkr von Schweden ein Schilfrohr und sagt ihm, er solle es über Styrbjörns Heer schießen und diese Worte rufen. In der Luft wird das Rohr zum Speer.
Odins Pferd: Sleipnir
Sleipnir (altnordisch „der Gleitende“ oder „der Schlüpfrige“) ist das beste Pferd unter Göttern und Menschen (Gylfaginning 42). Noch einzigartiger macht ihn, dass Sleipnir acht Beine hat. Er trägt seine Reiter bis in die Unterwelt: Odin reitet auf ihm hinab nach Niflhel (Baldrs draumar 2), und Hermóðr gelangt auf ihm in neun Nächten nach Hel und springt mit ihm über das Tor der Unterwelt (Gylfaginning 49).
Wie Odins Speer kam auch sein Pferd durch Loki zu ihm. Beim Bau der undurchdringlichen Mauer um Asgard bat der Baumeister darum, seinen Hengst für die Arbeit einsetzen zu dürfen, und es war Loki, der den Göttern riet, zuzustimmen. Der Baumeister entpuppte sich als Bergriese.
Als sich abzeichnete, dass der Riese rechtzeitig fertig werden würde, zwangen die Götter Loki, den Bau zu sabotieren. Loki verwandelte sich in eine Stute und verführte den Hengst des Riesen, Svaðilfari, der beim Bau der Mauer eine große Hilfe gewesen war. Schließlich ließ Svaðilfari die Arbeit ganz liegen, und die Mauer wurde nicht rechtzeitig fertig. In der Zwischenzeit aber hatte sich Svaðilfari mit Loki gepaart, und Loki gebar später Sleipnir, das graue, achtbeinige Fohlen, das zu Odins Pferd wurde.
Odins Raben: Muninn und Huginn

Odins Raben Huginn und Muninn
Odins Raben heißen Huginn (altnordisch „Gedanke“) und Muninn (altnordisch „Sinn“ oder „Erinnerung“). Im Morgengrauen schickt Odin sie aus, damit sie über die ganze Welt fliegen, und bis zum Frühmahl kehren sie zurück und flüstern ihm die Neuigkeiten ins Ohr (Gylfaginning 38). In den Grímnismál 20 sagt Odin, sie flögen jeden Tag über die Erde; er fürchte um Huginn, doch noch mehr um Muninn. Wenn sie nicht gerade die Welt erkunden, sitzen die Raben auf Odins Schultern, während er von seinem Thron in Asgard aus herrscht.
Wegen Huginn und Muninn heißt Odin auch „der Rabengott“ (altnordisch Hrafnaguð), wie Snorri in Gylfaginning 38 erklärt.
Unter den Funden aus der Wikingerzeit gibt es auch Schmuck und kleine Figuren mit Raben oder Vogelpaaren, die man oft mit Odins Raben in Verbindung bringt.
Odins Wölfe: Geri und Freki
Odins zwei Wölfe heißen Geri („der Gefräßige“) und Freki („der Gierige“).
Viel mehr erzählen die mittelalterlichen Quellen nicht über sie, und was sie erzählen, dreht sich ums Essen. In den Grímnismál 19 füttert Odin Geri und Freki, während er selbst nur von Wein lebt. Snorri erzählt es in Gylfaginning 38 nach: Odin gibt die Speisen, die auf seinem Tisch stehen, seinen beiden Wölfen, denn er selbst braucht keine Nahrung. Wein ist für ihn Trank und Speise zugleich.
Odins Ring: Draupnir
Odins magischer goldener Ring heißt Draupnir (altnordisch „der Tropfende“). Der Ring hat die Kraft, jede neunte Nacht acht neue, gleich schwere Goldringe aus sich heraustropfen zu lassen. Das macht ihn zu einem natürlichen Symbol des Überflusses.Geschmiedet wurde Draupnir von einigen der geschicktesten Handwerker der nordischen Welt, den Zwergenbrüdern Brokkr und Eitri: Laut Skáldskaparmál schmiedete Eitri, während Brokkr den Blasebalg bediente. Manche Handschriften und viele Nacherzählungen nennen den Schmied Sindri. Der Ring entstand zusammen mit Thors Hammer Mjölnir und dem magischen Eber Gullinbursti im Rahmen von Lokis Wette, und Brokkr überreichte ihn Odin.
Als Baldr starb, ein Sohn Odins und der beliebteste aller nordischen Götter, legte Odin seinen magischen Ring auf Baldrs Scheiterhaufen an Bord des Schiffes Hringhorni (Gylfaginning 49).
Bei dem Toten blieb der Ring nicht. Als Hermóðr nach Hel ritt, um Baldrs Rückkehr zu erbitten, schickte Baldr Draupnir als Andenken an Odin zurück. Baldr selbst kehrt erst nach Ragnarök zurück: In der Völuspá 62 lebt er wieder in der erneuerten Welt.
Die bekanntesten Mythen über Odin
Odins Rolle bei der Erschaffung der Welt: der Ursprungsmythos
Wie schon erwähnt, hatte Odin zwei Brüder, Vili und Vé. Zu dritt töteten sie Ymir und erschufen aus seinem Leichnam die Welt. Kurz gesagt: Ymirs Blut wurde zu Seen und Meeren, seine Knochen zu Bergen und sein Fleisch zur Erde.Als die Brüder die nordische Welt fertig gebaut hatten, erweckten sie die ersten Menschen zum Leben, Ask (den Mann) und Embla (die Frau), aus zwei Bäumen, die sie am Meeresufer fanden. In Snorris Fassung (Gylfaginning 9) gab ihnen der erste Bruder Atem und Leben, der zweite Verstand und Bewegung und der dritte Gesicht, Sprache, Gehör und Sehkraft, und gemeinsam gaben sie ihnen Kleider und Namen. In der Völuspá 17–18 sind die drei Götter Odin, Hœnir und Lóðurr, und Odin ist es, der den ersten Menschen den Atem gibt. Snorri sagt auch, dass Odin deshalb Allvater heißt: Er ist der Vater aller Götter und der Menschen.
War Odin in Wirklichkeit ein Mensch?
Auch wenn der Ursprungsmythos weiterlebt, gibt es eine alte Vorstellung, nach der Odin nichts anderes als ein Mensch war. Allerdings kein gewöhnlicher.
Die Idee reicht bis ins Mittelalter zurück. In der Ynglinga saga stellt Snorri Odin als Häuptling dar, der von Ásgarðr in Asien aus herrschte und später in Schweden an einer Krankheit starb. Im Sterben ließ er sich mit einer Speerspitze zeichnen, und die Schweden glaubten, er sei ins alte Ásgarðr zurückgekehrt, um dort ewig zu leben, und so begannen sie wieder, ihn zu verehren (Ynglinga saga 2 und 10). Manche modernen Forscher vermuten außerdem, dass Odins Kult mit der Zeit wuchs und den älteren Gott Tyr vom ersten Platz verdrängte. Ist etwas davon wahr? Ehrlich gesagt wissen wir es nicht. Falls doch, muss Odin ein verdammt guter Krieger gewesen sein!
Wie Odin auf der Suche nach Weisheit sein Auge verlor
Odin gehört nicht zu den allwissenden Göttern, im Gegenteil: Er ist stets auf der Suche nach Weisheit. Sein unstillbarer Wissensdurst hat einen hohen Preis, wie wir gleich sehen werden.Der bekannteste aller Odin-Mythen erzählt, wie er auf der Suche nach Weisheit sein Auge verlor. Der Allvater ging zu Mímirs Brunnen (altnordisch Mímisbrunnr), der unter der Wurzel Yggdrasils liegt, die zu den Reifriesen reicht, denn in seinem Wasser sind Weisheit und Verstand verborgen. Dort traf er Mimir, dem der Brunnen gehört und der voller Weisheit ist, weil er daraus trinkt (Gylfaginning 15).
Sofort bat Odin um einen Schluck Wasser aus dem Brunnen, doch der Hüter kannte den Wert einer solchen Gabe. Mimir wollte Odin die Gelegenheit, große Weisheit zu erlangen, nicht einfach ohne Gegenleistung gewähren. Große Weisheit hat eben ihren Preis.
Damit Odin aus dem Brunnen trinken durfte, verlangte der Hüter, dass der Allvater ein Auge opfere. Odin nahm Mimirs Bedingung an und gab sein Auge zum Pfand. Daraufhin durfte er aus dem Brunnen trinken. In der Völuspá 28 sagt die Seherin zu Odin, sie wisse, wo sein Auge verborgen sei: im berühmten Brunnen Mímirs, der jeden Morgen Met aus Odins Pfand trinkt. Am Ende verbrachte Odin den Rest seines Lebens mit einem Auge, aber auch mit unvergleichlicher Weisheit.
Odin und die Entdeckung der Runen

Die Entdeckung der Runen
Ein weiterer berühmter Mythos über Odins unablässige Suche nach Weisheit erzählt, wie er die Runen entdeckte. Heute sehen wir in den Runen vor allem eine alte Schrift, und das waren sie auch. In den Mythen aber sind sie weit mehr: Sie stehen für verborgenes Wissen und magische Macht. Hier die Kurzfassung der Geschichte:
Im Mittelpunkt der Welt steht der Weltenbaum Yggdrasil. Der Baum steht immergrün über dem Urdbrunnen (altnordisch Urðarbrunnr), wie es in der Völuspá 19 heißt. Das ist ein anderer Brunnen als der Mímirs (Gylfaginning 15). Aus dem Wasser unter dem Baum kommen drei Mädchen, die man Nornen nennt. Laut Völuspá 20 ritzen sie in Holz (skíði), legen Gesetze fest und bestimmen Leben und Schicksal der Menschen.
Odin erzählt die Geschichte selbst in den Hávamál 138–139. Neun volle Nächte hing er an einem windigen Baum, mit einem Speer verwundet und Odin geweiht, er selbst sich selbst, an einem Baum, von dessen Wurzeln niemand weiß. Niemand gab ihm Brot oder Trank. Er spähte hinab, nahm schreiend die Runen auf und fiel dann vom Baum zurück. Das Gedicht nennt den Baum nicht beim Namen, doch meist wird er als Yggdrasil gedeutet.
In den folgenden Strophen sagt Odin, er habe neun mächtige Lieder vom berühmten Sohn Bölþorns gelernt, des Vaters von Bestla, und einen Trunk des kostbaren Mets erhalten. Dann begann er weise zu werden und zu gedeihen (Hávamál 140–141). In der Geschichte wird Odin so zum Meister der Runen und der Magie.
Odin und der Dichtermet
Odin sprach gern in Versen, und der Überlieferung nach war er es, der den Menschen die Dichtkunst schenkte. Das tat er, nachdem er den Dichtermet gestohlen und getrunken hatte, und glaub uns: Der Diebstahl des Mets war ein ziemliches Abenteuer.
In diesem Met steckte mehr als nur Dichtkunst. Neben der Dichtkunst erlangte Odin durch den Trunk die Fähigkeit, andere zu überzeugen und zu begeistern. Snorri erzählt die ganze Geschichte in der Skáldskaparmál, und Odin schildert seine Sicht in den Hávamál 104–110. Hier eine Kurzfassung, wie Odin den Dichtermet stahl.
In der nordischen Welt gibt es zwei Göttergeschlechter, die Asen und die Wanen. Im Lauf der Geschichte bekämpften sich die beiden Gruppen immer wieder. Nach einer bestimmten Schlacht schlossen sie Frieden und besiegelten ihn, indem sie in ein Gefäß spuckten. Aus diesem Speichel schufen die Götter einen Mann namens Kvasir. Kvasir war so weise, dass ihm niemand eine Frage stellen konnte, die er nicht beantworten konnte, und er zog durch die Welt und lehrte die Menschen Weisheit.
Nach einiger Zeit luden die beiden Zwerge Galar und Fjalar Kvasir zu sich nach Hause ein. Kaum war Kvasir dort, töteten ihn die Zwerge und mischten sein Blut mit Honig zu Met. Dieser magische Met enthielt Kvasirs Kraft, Eingebung und Weisheit zu schenken. Wer davon trank, erhielt diese mächtigen Gaben.
Galar und Fjalar gerieten in eine Lage, in der sie den Met an Suttung abgeben mussten, einen Riesen, der ihn in einem Berg versteckte. Odin wusste, wo der Met verborgen war, aber nicht, wie er in den Berg gelangen sollte. Odin wollte den Met, und so brach er zu einem weiteren Abenteuer auf der Suche nach Weisheit auf.
Odin begann in der Nähe des Hofes von Suttungs Bruder Baugi. Dort traf er neun Knechte, die Heu mähten, schärfte ihnen mit seinem Wetzstein die Sensen und warf den Wetzstein in die Luft. Die Knechte stritten sich darum und schnitten sich mit ihren Sensen gegenseitig die Kehlen durch. Unter dem Namen Bölverkr bot Odin Baugi dann an, die Arbeit aller neun Männer zu übernehmen, und verlangte dafür einen Trunk vom Dichtermet. Weil Baugi den Met nicht besaß, versprach er, mit Odin zu gehen und zu versuchen, den Met zu bekommen, sobald Odin seinen Teil der Abmachung erfüllt hätte.
Nachdem Odin alle Arbeiten auf dem Hof erledigt hatte, gingen er und Baugi zu Suttung. Baugi bat seinen Bruder, Odin vom Met trinken zu lassen, doch der Riese lehnte wütend ab. Also beschlossen Odin und Baugi, auf eigene Faust in den Berg einzudringen. Baugi bohrte ein Loch durch den Fels, und Odin verwandelte sich in eine Schlange, sodass er durch die Öffnung ins Innere des Berges kriechen konnte.
Drinnen kam Odin zu Gunnlöd, Suttungs Tochter, die den Met bewachte. Drei Nächte schlief er bei ihr, und danach ließ sie ihn dreimal vom Met trinken. Mit diesen drei Schlucken leerte er alle drei Gefäße, Óðrerir, Boðn und Són. Nachdem er den Met getrunken hatte, verwandelte sich Odin in einen Adler und flog zurück nach Asgard.
Da Odin bereits über gewaltiges Wissen und tiefe Einsicht verfügte, konnte er mit diesen neuen Gaben seine Kräfte nutzen, um andere anzutreiben und zu begeistern.
Odins Tod in Ragnarök

Wenn Heimdall ins Gjallarhorn bläst, um die Götter zu wecken, reitet Odin zu Mímirs Brunnen und holt sich bei Mimir Rat (Gylfaginning 51). Die Völuspá 46 sagt, dass Odin mit Mims Haupt spricht. Dann rüsten sich die Götter und die Einherjer und reiten ihren Feinden entgegen, obwohl die Schlacht ihr Untergang sein wird.
Die Schlacht fand auf einem Feld namens Wigrid statt (altnordisch Vígríðr). Odin war bestimmt, gegen den Wolf Fenrir zu kämpfen, und an seiner Seite standen die tapfersten aller Wikingerkrieger, die Einherjer. Der Allvater und seine gefallenen Helden kämpften, wie noch nie jemand gekämpft hatte.
Doch es reichte nicht.
An einem bestimmten Punkt der Schlacht verschlang Fenrir Odin (Vafþrúðnismál 53, Gylfaginning 51). Die Völuspá 53 sagt nur, dass Odin gegen den Wolf kämpfen geht und fällt. Und so war der mächtigste aller Götter mit einem Mal fort. Odins Sohn Vidar sah, wie die Bestie seinen Vater verschlang, und stürmte voller Zorn los, um Odins Tod zu rächen. In Snorris Fassung setzt Vidar den Fuß mit seinem dicken Schuh in den Unterkiefer des Wolfs, packt mit der Hand den Oberkiefer und reißt ihm das Maul auseinander (Gylfaginning 51). In der Völuspá 55 stößt er dem Wolf sein Schwert ins Herz.
Herkunft des Namens und Einfluss bis heute
Odins Name kommt in vielen Varianten vor, etwa Óðinn (im Altnordischen), Wuotan (im Althochdeutschen), Wōden (im Altsächsischen) und Wōden (im Altenglischen). Der urgermanische Göttername wōđanaz ist der Ursprung all dieser Namen. Das Wort wōđanaz ist vom urgermanischen Adjektiv wōđaz abgeleitet, „rasend, begeistert“, derselben Wurzel wie altnordisch óðr, „Geist, Eingebung, Raserei“. Verwandt sind altirisch fáith und lateinisch vātēs, die beide „Seher“ oder „Prophet“ bedeuten.Odin ist der Gott mit den meisten bekannten Namen in der nordischen Mythologie. Allein in den Grímnismál zählt Odin Dutzende seiner Namen auf und sagt, er sei nie unter nur einem Namen bekannt gewesen, seit er unter die Völker ging. Die meisten beschreiben seine Kräfte oder die Mythen über ihn.
Im Englischen ist ein Wochentag nach Odin benannt: Wednesday. Das Wort geht auf das altenglische wōdnesdæg zurück, „Wodens (Odins) Tag“.
Odin ist eine der einflussreichsten Figuren im Marvel-Universum, in den Comics wie in den Filmen. In den Marvel-Filmen ist er der mächtige König von Asgard, Thors Vater und Lokis Adoptivvater. Gespielt wurde er von Anthony Hopkins.
Sogar J. R. R. Tolkien hat Odin beeinflusst. Gandalf, der graue Wanderer mit Hut, Stab und langem Bart, gilt weithin als odinähnliche Gestalt.
Und das ist noch nicht alles. Odins Einfluss reicht sogar bis in die Musik: In Richard Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ (1848–1874) tritt er als Wotan auf, der König der Götter.
Zum Schluss
Ohne lange Vorrede: Zeit, unseren Artikel über Odin, den Allvater, abzuschließen, den weisesten und vielleicht beliebtesten Gott der nordischen Mythologie. Wir hoffen, du hast heute etwas Neues gelernt und kannst dein Wissen mit deinen Wikinger-Gefährten teilen.Die Lehre, die wir alle aus diesen Geschichten ziehen können: Wer etwas Wertvolles gewinnen will, etwa Weisheit, muss meist einen Preis zahlen. Und wenn etwas wirklich erstrebenswert ist, verlangt es zweifellos ein Opfer, zu dem wir bereit sein sollten, ganz gleich, was es kostet. So wie Odin es viele Male getan hat.
Wie immer kannst du uns unten in den Kommentaren gern deine Gedanken zu Odin mitteilen, dem König der Asen und Herrscher von Asgard. Skål!
Odin: Häufige Fragen
Wer ist Odin?
Odin ist der Allvater, das Oberhaupt der Asen und der nordische Gott des Krieges, der Weisheit, der Dichtkunst, der Magie und der Toten. Er herrscht über Asgard und ist der Vater vieler Götter, darunter Thor.
Wofür steht Odin?
Odin ist der Gott des Krieges und der Weisheit, aber auch der Dichtkunst, der Magie (seiðr), des Todes und der Weissagung. In den Hárbarðsljóð 24 prahlt er, dass die Edlen, die im Kampf fallen, ihm gehören, während Thor die Knechte bekommt, und er sucht stets nach verborgenem Wissen.
Warum hat Odin nur ein Auge?
Odin gab an Mímirs Brunnen eines seiner Augen für einen Schluck aus dessen Wasser her, der ihm gewaltige Weisheit schenkte. Das Opfer für Wissen steht im Zentrum seines Wesens.
Wie heißen Odins Raben und Wölfe?
Seine beiden Raben sind Huginn („Gedanke“) und Muninn („Erinnerung“), die jeden Tag über die Welt fliegen und ihm Neuigkeiten bringen, und seine beiden Wölfe sind Geri und Freki, die er von seinem eigenen Tisch füttert.
Stirbt Odin in Ragnarök?
Ja. In Ragnarök wird Odin vom großen Wolf Fenrir verschlungen, und sein Sohn Víðarr rächt ihn, indem er den Wolf tötet.
Wenn du tiefer einsteigen willst, lies, was hinter Odins fehlendem Auge steckt, was es mit seinen Raben Huginn und Muninn auf sich hat und wer sonst zum nordischen Pantheon gehört, oder stöbere in unserem Wikingerschmuck.
1 Kommentar
I really enjoyed reading this. I love that Odin was always on a pursuit for wisdom. The journey I am on too. I watch Vikings the tv show and my dog’s name is Odin.
I soon will buy arm bracelets and necklaces that symbolize the great All father!!!!